[Hessen] Lebenskünstler – jene farbig‑kreativen Figuren des Alltags – können eine Gesellschaft durchaus bereichern. Doch ihre besondere Kommunikations‑ und Konfliktkultur funktioniert nur in bestimmten Milieus. Wird dieser Szenestil ungefiltert in gewöhnliche Wohnsiedlungen übertragen, entsteht Reibung: Die Leute agieren oft, als lebten sie weiterhin im Protestcamp oder in der Bauwagensiedlung – inklusive der dort üblichen Muster von Abgrenzung, Misstrauen und demonstrativer Unangepasstheit.
Feindbilder und Selbstinszenierung
Das Verhalten folgt einer erlernten gruppenkulturellen Logik: Widerstand, Misstrauen und Opposition bleiben bestehen, auch wenn der reale Kontext längst ein anderer ist.
Nachbarschaftliche Hinweisschilder zu Ordnung und Regeln werden meistens nicht als Alltagssignal verstanden, sondern als Herrschaftsinstrument gedeutet. Die Reaktion: spontane Abwehr, Abwertung, Ignorieren. Die eigene Bezugsgruppe stabilisiert dieses Muster. So werden Konflikte nicht gelöst, sondern zugespitzt – bis aus Nachbarn Gegner werden.
Konfliktlogik einer subkulturellen Gegenkultur
Die Selbstwahrnehmung als "Ausnahmemensch" ist allerdings nur sozialpsychologisch nachvollziehbar: Man inszeniert sich gerne als politisch, verweist auf frühere Erfahrungen – wie vielleicht beim Dannenröder Wald‑Protest – und überträgt diese Haltung auf völlig unpolitische Situationen.
Doch der Alltag verlangt Kooperation, Rücksicht, Regelakzeptanz und sogar Ordnung.
Wer dauerhaft im Modus „Anti“ oder "heiliges Chaos" bleibt, kollidiert zwangsläufig mit der geltenden Nachbarschaftsordnung: räumliche Grenzen werden überschritten, Hinweise ignoriert, Schilder bewusst missachtet oder sogar abgerissen.
Im Alltag sind solche beanspruchten Sonderrechte anstrengend. Eine chronische Reibung entsteht, weil das Umfeld auf Kooperation setzt, die Lebenskünstler jedoch auf ihrer Sonderlogik bestehen.
Eine Eskalation folgt dann, wenn Nachbarn klar und regelbasiert gegensteuern, ohne sich auf Diskussionen einzulassen. Dann bleiben auch Konsequenzen nicht aus.
Zum Beispiel wird wohl einige Reaktionen geben demnächst...
Wetten?
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de




















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