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Der Vogelsberg und seine Besonderheiten

Nach getaner Arbeit sitzt man an der Ernst -Happel-Hütte bei einem Kaffee noch zusammen (c) Brigitta Möllermann
Nach getaner Arbeit sitzt man an der Ernst -Happel-Hütte bei einem Kaffee noch zusammen (c) Brigitta Möllermann

Zur Bewahrung der Vogelsberger Natur

[Ulrichstein / Vogelsberg] Der Vogelsberggarten auf dem Ulrichsteiner Schlossberg zieht seit einiger Zeit immer mehr Besucher an. Interessant dabei ist, dass sie inzwischen auch Fragen zu der Anlage stellen, wenn sie jemanden bei der Gartenarbeit antreffen. Hin und wieder bleiben die Leute stehen und fachsimpeln mit den Paten oder vergleichen das Gelände mit früher bzw. mit ihrem heimischen Garten. Manch einer läßt sogar eine Geldspende da. Der Geschäftsführer, Richard Golle (auf dem Foto: hinten Mitte), berichtet stolz von insgesamt elf gebuchten und vier regulären Führungen im Laufe des Jahres 2018.

Jahresabschluss 2018 im Vogelsberggarten

Auf dem Vulkankegel mit rund 600 Höhenmetern waren vor wenigen Wochen Richard Golle und die Paten für die abschließenden Arbeiten zusammengekommen. Die Sonne wärmte sogar im Herbst noch mittags, trotzdem konnten die Nächte schon kalt werden. So sammelte man die Äpfel vor dem Frost ein und erntete die letzten Wintersalate und einigen Kohl im Nutzgarten. Die Wiese am Osthang wurde letztmalig gemäht und der Bauernacker mit speziellem Wintergetreide - Emmer, Dinkel, Einkorn und Roggen - eingesät.

Richard Golle sät das Korn fürs nächste Jahr auf dem Bauernacker aus, die Paten harken die Samen in die Erde (c) Brigitta Möllermann
Richard Golle sät das Korn fürs nächste Jahr auf dem Bauernacker aus, die Paten harken die Samen in die Erde (c) Brigitta Möllermann

Motiviert: Die fleißigen Helfer

Wegen der langen Hitzeperiode hatten es in diesem Jahr die Pflanzen selbst im Hohen Vogelsberg nicht leicht. Wochenlang fehlte zudem der Regen. Deswegen war es eine der Hauptaufgaben von Sandra, die neben ihrem Bürojob seit Juli 2018 auf Aushilfsbasis im Vogelsberggarten angestellt ist, die Anzuchtbeete mit den seltenen Pflanzen sowie den Bauerngarten und die Heilkräuterbeete zu gießen.

Das Wasser dafür stammte aus dem schattigen Tümpel, der sich unterhalb der Burgruine auf bislang nicht eindeutig geklärte Weise selbsttätig füllt. Zudem grub Sandra die Hochbeete für die Nachzuchten um, lockerte die Erde im Gehölzaufzuchtbeet und setzte Arnika und Trollblumen. Sie findet es sehr entspannend, als eine Art „Work-Out“ im Vogelsberggarten regelmäßig mitzuhelfen.

Andreas, der aus Lautertal oft herüberkommt, nahm mit seiner Frau Ulla anfänglich nur an verschiedenen Aktionen teil. Inszwischen sind beide als Paten voll integriert und kümmern sich auch selbstständig um bestimmte Projekte. Immer wieder lassen sie sich bezaubern von diesem wunderbaren Ort mit dem faszinierenden Fernblick, wie sie sagen.

Patin Ilse aus Ranstadt kommt schon seit acht Jahren gerne nach Ulrichstein hinauf, um vier bis fünf Stunden lang drei der Beete zu jäten und zu pflegen. Sie hat sich für das Goldhaferbeet, die Hochstauden und die Habichtskräuter zuständig erklärt.

Anja aus Helpershain bekam durch eine Führung im Vogelsberggarten Interesse an einer Patenschaft. Im Bauerngarten arbeitet sie seither offiziell mit Christiane zusammen. Diese Patin kommt aus Gonterskirchen und ist bereits im dritten Jahr mit Überzeugung dabei. Beide treffen sich jede Woche oder alle 14 Tage, meistens an Montagnachmittagen - je nachdem, wie das Wetter mitspielt und welche Arbeiten nötig sind.

Der ortsansässige Landwirt Timo hat den gleichen Status wie ein Pate, da er etwa die Hälfte des Gartens auf ehrenamtlicher Basis mit bewirtschaftet, beispielsweise den Kartoffelacker und die Viehweiden. Er ist jedes Jahr mit Pferd oder Traktor vor Ort, wenn die Kinder aus der Ulrichsteiner Grundschule Kartoffeln setzen oder ernten.

Zwei weitere Frauen helfen bei Veranstaltungen und dem einen oder anderen Projekt mit, wenn sie gebraucht werden. Eine der HelferInnen, eine langjährige Patin, musste leider mittlerweile die Gartenschürze aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen.

Mehrere Aufgaben können noch vergeben werden

Zu den allgemeinen Arbeiten gehört es, die Wege und Beete im Garten zu pflegen. Das heißt, es werden themenfremde und zu häufige Pflanzen per Hand gejätet - in der Hauptvegetationsphase etwa alle zwei bis drei Wochen. Richard Golle erklärt dazu: „Damit soll die Balance gehalten werden. Die Wildkräuter müssen eingedämmt werden, um die schwächeren Pflanzen zu schützen.“

Die Patenschaften in Ulrichstein werden locker gehandhabt. Der Einsatz der freiwilligen Helfer erfolgt je nach Interessensgebiet und die Einarbeitung nach Bedarf. In der Regel wird in Absprache mit Richard Golle zusammen gearbeitet. Einiges geschieht aber auch auf Anregung der Mitwirkenden, und vieles wird demokratisch abgestimmt - allerdings unter Berücksichtigung der Ansprüche des Gartens.

Die letzten Blumen werden im Vogelsberggarten geschnitten (c) Brigitta Möllermann
Die letzten Blumen werden im Vogelsberggarten geschnitten (c) Brigitta Möllermann

Die kleine Fan-Gemeinschaft sieht es längst als echte Aufgabe, den Garten zusammen instandzuhalten. Außerdem freut man sich, an an der Weiterentwicklung teilzuhaben, denn jedes Jahr kommt etwas Neues hinzu.

Vorteile einer Patenschaft im Vogelsberggarten

Immer wieder wird von den Paten „frische Luft schnappen nach der Arbeit“ als Wohlfühlfaktor auf dem stillen Ulrichsteiner Schlossberg genannt. Fragt man nach, geben alle an, dass sie die entspannende Gartenarbeit als persönliche Bereicherung empfinden. Das Ernten fällt dagegen nur minimal ins Gewicht.

Es liegt den Helfern mehr daran, ihr persönliches Gartenwissen zu erweitern, um zum Beispiel zu lernen, welche „Bedürfnisse“ die Pflanzen im Mittelgebirge haben, wie Sträucher beschnitten und Stauden richtig gesetzt werden. Und dazu erfahren sie die ökologischen Zusammenhänge und wie man Kräuter und vieles andere nutzbringend einsetzen kann.

Als Bonus und zusätzliche Anreize

  • Beitragsfreie Ehrenmitgliedschaft im Trägerverein

  • Stimmberechtigte Teilnahme an den Sitzungen inklusive Hintergrund-Infomationen

  • Kostenlose 10er Eintrittskarte für das örtliche Badebiotop

  • Kostenlose Teilnahme an Führungen im Garten

  • Finanzieller Ersatz der Fahrtkosten nach Ulrichstein (Kilometergeld)

  • Einladung zur Weihnachtsfeier des Naturparks

Für das kommende Jahr freuen sich jetzt schon alle Paten auf ein besonderes Highlight: Neben dem Rosenschnittkurs ist ein gemeinsamer „Bildungsausflug“ nach Marburg in den Botanischen Garten geplant.

Übrigens: Wer Interesse hat, sich der Gruppe der ehrenamlichen Helfer anzuschließen, kann sich jederzeit bei Richard Golle (Telefon: 0170-7245241) melden.


Quelle: Brigitta Möllermann

 

NewsFlash - Kurz & Knapp

Bis zu 2.000 Radler pro Tag werden erwartet

Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg FRM7 Hanau-Frankfurt liegt vor

[Hanau - Frankfurt] Die vom Regionalverband FrankfurtRheinMain sowie den Städten Frankfurt, Maintal und Hanau in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg FRM7 liegt vor. Die Studie zeigt auf, dass auf der Trasse das erforderliche Potenzial eines Radschnellweges von 2.000 Radfahrenden pro Tag problemlos erreicht wird. Im unmittelbaren Einzugsgebiet der Trasse leben mehr als 100.000 Einwohner, die von dem neuen Schnellweg profitieren könnten. Mit ihm ist es künftig möglich, dass Radpendler aus Hanau in gut 50 Minuten Frankfurt erreichen können. Das entspricht im Berufsverkehr in etwa der Fahrzeit eines Autos. Die Kosten der gesamten Verbindung belaufen sich auf knapp 35 Millionen Euro und sind mit 2 Millionen Euro pro Kilometer im Kostenrahmen vergleichbarer Projekte im Bundesgebiet.

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