[Hund] Manchmal fragen wir uns, wer oder was diesem kleinen Vierfüßler die Überzeugung vermittelt hat, er brauche sich lediglich in den heimischen vier Wänden seiner "Chefin" zu fügen. Sportlich und rasant - also blitzschnell ist er in der Lage mit voller Kraft zu blockieren oder wegzuspringen und andere Hunde aus dem Stand mit gesträubtem Fell und gefletschten Zähnen regelrecht anzubrüllen.
Nicht, dass er nicht wüsste, was am anderen Leinenende höchst unerwünscht ist... Er lässt sich aber erst stoppen, wenn sein "Anfall" vorbei ist.
Inwischen kennt er das Wort COOL, reagiert darauf allerdings erst, wenn seine "Feinde" die Flucht ergriffen haben (glaubt er) und alle Leute einen Bogen um uns machen.
Selbst, wenn wir unterwegs alle Erziehungsratschläge nacheinander mustergültig befolgt haben und er mit einem Zucken seines Mäulchens ein Ergebenheitssignal gesendet hat, ist damit noch nicht Schluss. Als wäre nichts geschehen, geht es ein paar Meter weiter wieder los. Schlimm ist, dass er sich in einen total abgedrehten Zustand hineinmanövriert, bis er zitternd und hechelnd im Auto liegt.
Im Internet kann man dazu nachlesen:
Ein reaktiver Hund zeigt auf Umweltreize wie andere Hunde, Menschen oder Fahrzeuge deutlich stärkere und schnellere Reaktionen als üblich.
Dieses Verhalten entsteht in der Regel aus Stress, Unsicherheit oder Überforderung und nicht aus Aggression oder „Ungehorsam“. Typisch sind impulsives Bellen, in die Leine springen, Fixieren oder auch ein abruptes Erstarren, manchmal sogar panikartige Ausweichbewegungen.
* Häufig liegen dem mangelnde Sozialisierung, belastende Erfahrungen oder eine genetische Veranlagung zugrunde.
Im Umgang mit einem reaktiven Hund steht im Mittelpunkt, Situationen so zu gestalten, dass der Hund ansprechbar bleibt. Ausreichender Abstand zu Auslösern schafft Sicherheit und verhindert Überforderung. Ruhiges Verhalten wird gezielt verstärkt, bevor der Hund in eine Reaktion kippt.
Gleichzeitig hilft eine klare, souveräne Führung, Orientierung zu geben, statt nur unerwünschtes Verhalten zu unterbinden. Stressarme Alltagsgestaltung und angepasste Auslastung – auch in Form von mentaler Beschäftigung zu Hause – unterstützen den Trainingsprozess.
Reaktivität ist kein Zeichen eines „Problemhundes“, sondern Ausdruck eines Nervensystems, das schneller überlastet. Mit Geduld, Struktur und realistischen Erwartungen lassen sich Fortschritte gut erreichen. (Quelle: Microsoft Copilot)
WAU... äh: WOW
* Da Michel beim Autofahren, zu Hause und im Büro inzwischen gut unsere Regeln befolgt, keine mangelnde Frustrationstoleranz zeigt und auch nicht übermäßig lästig mit seinen Spielaufforderungen ist, nehmen wir an, dass er in seinen ersten prägenden Monaten nicht adäquat sozialisiert wurde.
Michel: Zum Knutschen niedlich... und doch ein richtiger Hund (c) HESSENMAGAZIN.de
Ja, er war ein PUPPY wie aus dem Bilderbuch, als wir ihn im Alter von ca. fünf Monaten aus dem Tierheim holten. So klein, unaggressiv und opferbereit, dass alle Mitarbeiter ihn wie selbstverständlich auf dem Arm trugen, anstatt ihn auf seinen kleinen dicken Pfoten laufen zu lassen. Ergebnis: Beim Abholen wollte er partout nicht über die Schwelle des Büros mit hineingehen. Schon die Türe machte ihm Angst. Also hob man ihn hoch und setzte ihn einfach in diese unbekannte Menschenwelt hinein – ohne Wahl und Vorbereitung.
Wir stellten bald fest, dass Nähe zu uns Menschen für ihn kein Trost war. Erst nach Monaten können wir ihm jetzt ab und zu Sicherheit geben, indem wir in ruhiger Umgebung neben ihm in die Hocke gehen und ihn alles Ungewohnte ausführlich anschauen lassen: Schnatternde Gänse auf einem Teich, lauten Autoverkehr an der Umgehungsstraße, endlos hohe Regale im Baumarkt etc... Dann lehnt er sich auch schonmal an uns an :-)
Immerhin... lässt das hoffen.
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de





















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