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Vulkan Vogelsberg: Neue Chancen für Natur und Menschen

Natur- und Landschaftsschutz: National hervorheben und international dokumentieren

Winter im Vogelsberg: Blick vom Hoherodskopf - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de
Inversionswetterlage - Winter im Vogelsberg: Blick vom Hoherodskopf - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de

Der Vogelsberg: Ein herausragendes Beispiel von überregionaler Bedeutung

[Vogelsberg / Deutschland] Seit 1979 unterstützt die Bundesregierung mit ihrem Programm "chance.natur" den Schutz und die Sicherung wichtiger Naturräume in Deutschland. Hierdurch können wertvolle und herausragende Lebensraumtypen unseres Landes dauerhaft erhalten werden. 76 Großprojekte mit mehr als 3.500 Quadratkilometern wurden bislang in Angriff genommen. Wichtigstes Ziel ist, am Ende ihrer langjährigen Förderzeit sie zum Naturschutzgebiet zu erklären.

Zur Sicherung unseres nationalen Naturerbes werden Maßnahmen von privaten und kommunalen Naturschutzinitiativen in Deutschland vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit bis zu 75 % bezuschusst. Voraussetzung für die Förderung ist: Das Vorhaben muss großräumig für ein besonders repräsentatives Stück Natur verwirklicht werden. Dabei sollen auch wild lebende Tier- und Pflanzenarten erhalten werden. Auf diese Weise leistet die BRD einen wichtigen Beitrag zum internationalen Naturschutzübereinkommen.

Das Naturschutzgroßprojekt Vulkan Vogelsberg

Blick zum Hoherodskopf vom Ernstberg aus, einem Naturschutzgebiet im Hohen Vogelsberg - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de
Blick zum Hoherodskopf vom Ernstberg aus, einem Naturschutzgebiet im Hohen Vogelsberg - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de

Im Reigen von zwei weiteren hessischen Projekten bekam die Vulkanregion Vogelsberg im Dezember 2010 für insgesamt 92.000 Hektar Fläche eine erste Förderzusage bis einschließlich 2013. Von bundesweiter Bedeutung sind die Buchenmischwälder im Oberwald des Vogelsbergs sowie der außergewöhnliche Gewässerreichtum und die strukturreiche Kulturlandschaft mit ihren einzigartigen Berg- und Mähwiesen. Zukünftig können jetzt spezielle Offenland- und Waldlebensräume des Mittelgebirges weiterentwickelt und der bemerkenswert hohe Reichtum seltener Tier- und Pflanzenarten dieses Naturraums erhalten werden.

Zuerst wird drei Jahre lang geplant und anschließend in die Tat umgesetzt

Natürlicher Lebensraum: Buchenwald im Vogelsberg - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de
Natürlicher Lebensraum: Buchenwald im Vogelsberg - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de

Während der ersten Projektphase ist die Erstellung eines umfassenden Pflege- und Entwicklungsplans vorgesehen. Im darauf folgenden Förderzeitraum ab 2014 sollen sodann die Maßnahmen in acht bis neun Jahren entsprechend umgesetzt werden. Zum Träger des Projektes wurde vom Landkreis Vogelsberg der Verein "Natur- und Lebensraum Vogelsberg e. V." mit seinem Vorsitzenden Karl-Peter Mütze ernannt.

Zur Zeit erfasst ein qualifiziertes Projektteam relevante Gebietsparzellen und listet mögliche Maßnahmen sowie nötige Investitionen auf. Die Ergebnisse fließen in eine Studie und den konkreten Plan (PEPI) ein. Zur Begleitung der Maßnahmen sind Arbeitskreise zusammengestellt worden, die die Themenfelder "Landwirtschaft und Naturschutz", "Forsten und Naturschutz", "Verwertung von Biomasse aus der Region" plus "Tourismus und Vermarktung" im einzelnen zusätzlich beleuchten werden.

Was bringt Natur- und Landschaftsschutz?

Der Ober-Mooser-Teich ist ein ausgewiesenes Brutgebiet für seltene Vogelarten - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de
Der Ober-Mooser-Teich ist ein ausgewiesenes Brutgebiet für seltene Vogelarten - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de

Um bei möglichen Änderungen der bisherigen Landnutzung die Akzeptanz in der Region zu erlangen, moderiert Sebastian Stang, ein junger einheimischer Diplom-Forstwirt, die Sitzungen. Er konnte sich durch fachliche Qualifikation und seinen persönlichen Bezug zum Vogelsberg gegen 40 Mitbewerber für den Posten als Projektleiter durchsetzen. Ihm zur Seite gestellt arbeiten in der Lauterbacher Geschäftsstelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin Fanny Kapischke (Diplom-Geo-Ökologin) und als Verwaltungs-Assistentin Ellen Smykalla (Bürokauffrau).

Überzeugungsarbeit wird eventuell vom Projektteam geleistet werden müssen, wenn sich Konfliktbereiche ergeben. Falls die Auffassung zur Flächennutzung durch Jäger, Angler, den Tourismus oder die Forst- oder Landwirtschaft nicht mit den Naturschutzzielen übereinstimmt oder die Natur Vorrang haben soll vor kommunalen Raumordnungsmaßnahmen, wird im offenen Dialog gemeinsam nach Lösungen und Maßnahmen gesucht. Neue Perspektiven und wirtschaftliche Voraussetzungen ermitteln Sebastian Stang und seine Mitarbeiter operativ. Nach der Erschließung von Biotopen und der erfolgreichen Renaturierung der Gewässer soll gewiss die schöne Natur auch gezeigt werden. Für diesen Fall beinhaltet das Konzept als weiteres Ziel, den Natur- und Landtourismus der Region zu stärken.

Tourismus als Wirtschaftsfaktor: Im Land der Hecken, Quellen und Vögel

Der Vogelsberg von oben, ein Land der Hecken und Quellen - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de
Der Vogelsberg von oben - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de

Kultur und Landschaft des Mittelgebirges Vogelsberg waren bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt von der Landwirtschaft. Nach deren Rückgang wurden auf dem hoch gelegenen, kargen Basaltrücken des erloschenen Vulkans die ersten Naturschützer aktiv. Früh hatten sie die Charakteristik des Gebietes mit ihrer ungewöhnlichen Fauna und Flora erkannt. So konnte bereits in den 1950er Jahren der Naturpark Hoher Vogelsberg als erstes Schutzgebiet Deutschlands ausgewiesen werden. Ein Vorteil, wie man heute sieht.

Viele Ökosysteme der Kulturlandschaft des Mittelgebirges haben dadurch als natürlicher Lebensraum überdauert. Der Fremdenverkehr wurde durch die Ausweisung von Plätzen und Wegen nachhaltig reguliert. An den übrigen Stellen, an denen der ursprüngliche Naturhaushalt noch gut funktioniert, setzt der Arten- und Naturschutz der Projektphase zwei an. Bis dahin können außerdem die Einheimischen eingebunden werden. Geplant ist, langfristig ökonomische Interessen und wirtschaftliche Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu erfassen und mit abzudecken.

Der Vogelsberg: Ein herausragendes Beispiel von überregionaler Bedeutung

Die Forellenteiche im Naturpark am Rundwanderweg H im Oberwald - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de
Die Forellenteiche im Naturpark am Rundwanderweg H im Oberwald - Foto: (bm) HESSENMAGAZIN.de

Am Ende des Projektes wird der gute Zustand vieler typischer Lebensräume des alten Vulkans Vogelsberg sowie eine bessere Qualität der biotischen und abiotischen Merkmale* erreicht sein. Mit allen exklusiven Merkmalen sollen sie zu natürlichen oder naturnahen Landschaften gewandelt sein, die sich in Zukunft eigenständig weitertragen.

Mithelfen kann jeder Interessierte und zum Beispiel für 15 Euro im Jahr als Privatperson dem gemeinnützigen Verein "Natur- und Lebensraum Vogelsberg" beitreten. Oder man nimmt an den öffentlichen Arbeitskreistreffen im Vogelsberg teil. Mehr und Aktuelles ist im Internet zu finden unter: www.naturschutzgrossprojekt-vogelsberg.de

Stand Februar 2012 - Quelle: (bm) HESSENMAGAZIN

* Biotisch sind Umweltfaktoren, an denen Lebewesen beteiligt oder als Organismen mitbeteiligt sind (Viren, Mykoplasmen, Bakterien, Pilze, Insekten, Säugetiere etc.), oder es sind biologische Vorgänge gemeint. Im Gegensatz dazu sind abiotische Umweltfaktoren solche, an denen keine Lebewesen beteiligt sind - beispielsweise der geologische Untergrund, Licht, Temperatur und Wärme.

 


 

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