[Hessen] Als Reaktion auf den extrem heißen Sommer 2003 wurde im Jahr 2004 im damaligen Sozialministerium gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) das Hessische Warnsystem eingeführt, um vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze zu schützen. Hitzewarnstufe 1 betrifft die Wärmebelastung bei einer gefühlten Temperatur von mehr als 32°C, Hitzewarnstufe 2 liegt vor, wenn die gefühlte Temperatur 38°C übersteigt oder Warnstufe 1 an vier aufeinanderfolgenden Tagen andauert.
Selbst lesen: www.dwd.de/DE/leistungen/hitzewarnung/hitzewarnung.html <-KLICK
Wenn man alle Ratschläge befolgt (befolgen muss), ist das "normale" Leben nun vorbei. So ermahnt der Landkreis Fulda uns per Mail: "Passen Sie Ihren Tagesablauf an. Halten Sie sich zwischen 11 und 17 Uhr möglichst wenig im Freien auf, außer an Orten, die kühler als Ihre Wohnung sind. Meiden Sie anstrengende Aktivitäten zu diesen Tageszeiten im Freien."
- Doch der Hund ist an bestimmte Gassizeiten (passend zu seiner Verdauung) gewöhnt!
- Kirschernte? Den Garten oder Ihren Balkon mit den Tomaten können Sie momentan vergessen, da gibt es nur Stroh.
- Den Umbau draußen am Haus müssen Sie verschieben, wenn Sie nicht gegrillt werden wollen.
- Den kühleren Keller haben Sie inzwischen schon drei Mal aufgeräumt.
- Das oberkrass-stickige Homeoffice im Dachgeschoss nutzen Sie nur noch nachts.
Die Überbrückung solcher Tage erfordert eine logistische, höchst ärgerliche Neuordnung des Alltags, um gesundheitliche Risiken zu minimieren und unvermeidbare Tätigkeiten in die wenigen verbleibenden nutzbaren Zeitfenster zu verlagern.
Trotz der wiederholten Extremwetterereignisse und der damit verbundenen Einschränkungen im Alltag sind aber bislang keine umfassenden offiziellen Hilfsmaßnahmen erkennbar. Die aktuelle Lage verdeutlicht, dass übergeordnete Stellen weiterhin primär auf operative Hinweise statt auf langfristige Vorsorgekonzepte setzen, sodass die Verantwortung faktisch auf jeden Einzelnen verlagert wird.
Die Behörden erfüllen damit formal ihre Pflicht zur Gefahrenkommunikation, ohne dass darüber hinausgehende strategische oder infrastrukturelle Anpassungen implementiert werden. Die operative Ebene bleibt auf Bekanntmachungen beschränkt, während eine systematische Weiterentwicklung – etwa durch verbindliche kommunale Hitzepräventionskonzepte, belastbare Ressourcenplanung oder strukturelle Entlastungsmechanismen – nicht wie es notwendig wäre erfolgt.
- Auch die Nachrichten über das knapper gewordene Wasser - die niedrigen Pegelstände unserer Flüsse plus den Wasserstand im Edersee mit heute nur 17 % - verursachen anscheinend keinen dringenden Handlungsbedarf.
- Dass Winzer und Bauern Ernteausfälle wegen Hitze und Trockenheit hinzunehmen haben, und Poolwasser zum Löschen von Bränden genutzt wird, scheint ebenfalls keine weitergehenden Maßnahmen auszulösen.
- Und währenddessen bekommen die Straßen immer mehr Schäden: aufgeplatzter Asphalt, aufgeweichte Beläge, Risse durch Hitzeausdehnung. Auch das wird hingenommen, als wäre es ein unvermeidlicher Nebeneffekt statt ein klarer Hinweis darauf, dass unsere Infrastruktur den Temperaturen nicht mehr standhält.
- Gleichzeitig arbeiten z. B. Bauarbeiter, Postboten, Marktbeschicker und Standbetreiber im Außenbereich weiterhin unter Bedingungen, die längst nicht mehr zumutbar sind.
Und trotzdem wird erwartet, dass der tägliche Betrieb einfach weiterläuft, als gäbe es keine Extremtemperaturen???
Das auch noch: www.hessenmagazin.de/umwelt/11533-die-umweltminister-haben-viel-vor.html <-KLICK
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de