Das Gartenprojekt: Telefon im Kühlschrank und 25 Euro schwarz auf die Hand

Sonntag, den 01. November 2026 um 11:13 Uhr Gut zu wissen - Gartenlust & Flügeltiere
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Symbolbild KI-genriert (c) Gemini[Onlinewelt] Wer einen Garten besitzt, weiß: Der nächste Winter kommt bestimmt... Um unser Grundstück in Ulrichstein winterfest zu machen mit Regentonnen leeren, Folienhaus aufbauen, Benjeshecken erstellen, suchen wir auch über "Kleinanzeigen" nach tatkräftiger Unterstützung. Da Sicherheit vorgeht, wollten wir die Hilfe ganz offiziell, unfallversichert und steuerfrei für Helfer über das Haushaltsscheck-Verfahren der Minijob-Zentrale anmelden. Was folgte, war jedoch eine Lehrstunde in Sachen enttäuschender Kleinanzeigen-Kultur.

Der erste Anlauf startete vielversprechend mit einer Anzeige des 21-jährigen Florian aus Schotten. Sein Inserat bot zuverlässige Hilfe für Garten und Haushalt, versprach Pünktlichkeit, Motivation sowie sorgfältiges Arbeiten und kündigte sogar an, einen Kumpel kostenfrei als Verstärkung mitzubringen.

Die erste Kontaktaufnahme verlief wie im Märchen. Florian bedankte sich überschwänglich für das Vertrauen, schlug faire 15 Euro Stundenlohn vor und erklärte, sein Freund könne ihn mit dem Auto nach Ulrichstein fahren. Er versprach, sich nach Feierabend auf seiner Arbeits-Handynummer zu melden, um den Einsatz zu verabreden. Wir sagten bereits andere Anfragen ab und stellten als Dankeschön für einen ersten Samstags-Einsatz sogar eine gemeinsame Pizza beim Italiener in Aussicht.

Doch kaum wechselte das Geschehen vom Portal in die Realität, lösten sich seine Versprechen in Vogelsberger Nebel auf: Es folgte Funkstille bis auf eine kurze Entschuldigung, gefolgt von der Zusage, am folgenden Vormittag spechbereit zu sein.

Doch wir versuchten ihn vergeblich mit drei Nachrichten auf seiner Mobilbox zu erreichen... Unsere scherzhafte Nachfrage, ob das Mobiltelefon vielleicht im Kühlschrank liege, blieb ebenfalls unbeantwortet: Von der angepriesenen Zuverlässigkeit fehlte jede Spur, was uns schließlich zu einer kurzen, aber verdienten Ein-Stern-Bewertung veranlasste.

Nach diesem Reinfall keimte mit der Nachricht des 17-jährigen Ben aus dem rund 20 Kilometer entfernten Lauterbach neue Hoffnung auf. „Schon viel im Garten gemacht“, schrieb er. Das klang brauchbar, wir wollten es jedoch genauer wissen.

Wie steht es um seine Mobilität ohne eigenes Auto über die Vogelsberger Hügel? Und was bedeutet seine kryptische Angabe, er mache gerade eine „Ausbildung MFG“? Ben überging diese Fragen komplett, da er ja nicht wisse, was zu tun wäre.

Als wir ihm unser naturnahes Konzept erklärten, reduzierte er das Ganze kurzerhand darauf, ob es dann ums Hecke schneiden und Umtopfen ginge. Wir stellten klar, dass jetzt eher andere Arbeiten anstehen, und baten erneut um Antworten.

Doch Ben interessierte sich nur noch für eine Zahl: Was wir bereit seien zu zahlen.

Wir verwiesen auf die faire Abrechnung über den Haushaltsscheck im Rahmen der Minijob-Grenze. Bei dieser Erwähnung kippte seine Stimmung schlagartig. Statt nachzufragen oder ein Mindestmaß an Höflichkeit zu wahren, wurde der Jugendliche gegenüber uns als potenzielle Arbeitgeber sogar richtig pampig.

Seine schroffe Rückmeldung gipfelte kurz und knapp in der Forderung nach 25 Euro die Stunde auf die Hand, verziert mit dem Kommentar „Haushaltsscheck son Scheiß“. Wenn wir damit ein Problem hätten, könnten wir unseren „Öko-Dingsbums-Garten“ gefälligst selbst winterfest machen. Klar, dass wir das Gespräch daraufhin kopfschüttelnd beendeten.

Tja, unser zukunftsweisendes Gartenprojekt muss nun vorerst ohne Aushilfe weiterwachsen. Am Ende haben wir uns vermutlich jede Menge Nerven, Abholfahrten aus den Hügeln und vergebliche Telefonate wegen möglicher (strafbarer) Schwarzarbeit erspart.

Das Schräge an der ganzen Sache

Beide – ob der 21-Jährige mit seinen großartigen Versprechungen oder der 17-Jährige mit seinen 25-Euro-Forderungen – nehmen sich extrem wichtig, besitzen aber weder Ahnung von der Abeit noch Humor oder ausreichend Grips zum Mitdenken. Sobald eine kleine, freundliche Frotzelei kommt („Liegt das Telefon im Kühlschrank?“) oder man etwas erklären möchte, schalten sie auf stur, tauchen ab oder werden pampig.

Eine echte Kommunikation auf Augenhöhe ist da gar nicht mehr möglich. Und die Nachricht, dass die Verdienstgrenze für Minijobs bei 603 Euro pro Monat (bzw. 7.236 Euro im Jahr) liegt, hat sie gar nicht erreicht.

Auch nicht, dass man neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung bzw. einer betrieblichen Ausbildung einen Minijob (geringfügige Beschäftigung) abgabenfrei ausüben darf...

UND eventuell sogar noch dazu eine sogenannte kurzfristige Beschäftigung - begrenzt auf maximal 3 Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr) drin wäre. Das allerdings nicht grundsätzlich steuerfrei... KLICKmal.

Zunge raus

Also weiterhin:

Mithilfe für unser Naturgartenprojekt im Hohen Vogelsberg gesucht <-KLICK

Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de