[Hoher Vogelsberg] Die Vogelkirsche (Prunus avium) ist die wilde Urahnin unserer heutigen Süßkirsche und ein wahrer Blickfang auf dem Land. Schon im April verwandeln die Bäume oder Büsche Waldränder, Gärten und Streuobstwiesen in ein strahlend weißes Blütenmeer. Ihre dichten Blütendolden öffnen sich oft noch vor den Blättern und dienen Insekten wie Wildbienen und Hummeln als eine der wichtigsten ersten Nahrungsquellen des Jahres.
Im Frühsommer reifen die kleinen, dunkelroten bis schwarzen Früchte heran. Obwohl sie deutlich kleiner und herber schmecken als die gewohnte Supermarktware, sind sie bei heimischen Vogelarten und Waldsäugetieren überaus beliebt.
Auch für Menschen sind die winzigen Früchte genießbar und eignen sich zur Herstellung von Gelee, Likör, Essig und Saft, was viele Leute heutzutage nicht mehr wissen.
Apropos Saft: Wenn die Bäume unbeachtet in den Himmel gewachsen sind und pfundweise ihre reifen Früchte nach und nach abwerfen, färben sich darunter Straße, Weg und *Terrassenpflaster mit einem lila Punktemuster ein.
Wir waren darüber erst entsetzt, dann überrascht und letztendlich erleichtert: Sonne und Regen haben mit der Zeit das zementgraue *Pflaster wieder sauber gewaschen.
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Schauen Sie sich um: Der Baum ist in jungen Jahren leicht an seiner rotbraun glänzenden Rinde zu erkennen, die sich aber im Alter in waagerechten Papier-ähnlichen Streifen vom Stamm löst. Zum Herbst setzt der Baum schließlich noch einmal optische Akzente, wenn sich sein Laub vor dem Abwurf in leuchtende Gelb- und Rotstufen färbt.
Neben ihrer großen Bedeutung für das Ökosystem überzeugt die Vogelkirsche sogar als Nutzpflanze. Ihr Holz zählt zu den edelsten heimischen Laubholzsorten und ist im hochwertigen Möbelbau, bei Musikinstrumenten sowie im gehobenen Innenausbau heiß begehrt.
Für unser Gartenprojekt werden wir die vielen sich selbst ausgesäten Babybäumchen versuchen anzusiedeln ;-)
Eine Hecke aus Vogelkirschen wäre ein richtiger Blickfang und eine Wohltat für die Vogel- und Insektenwelt. Allerdings stellt der Baum an einen Heckenschnitt besondere Ansprüche, weil er von Natur aus stark in die Höhe wachsen will, da er kein klassischer Strauch ist, sondern ein Großbaum, der ohne Schnitt 15 bis 20 Meter hoch werden kann.
Formschritte verträgt er im Sommer recht gut, bildet danach aber rasch lange, steile Schößlinge (Wasserschoße), um seine natürliche Baumform wiederherzustellen. Also sollte man die Hecke das erst Mal am besten im Juli bis August zurechtstutzen - idealerweise direkt nach der Fruchtreife. Das hemmt das Längenwachstum besser als ein Winterschnitt und verhindert, dass Pilzinfektionen an den Schnittstellen entstehen.
Als "Formhecke" erfordert die Vogelkirsche jährlich mindestens ein bis zwei intensive Schnitte. Falls es eine sehr dichte, pflegeleichte und gut schnittverträgliche Hecke werden soll, eignen sich zusätzlich auch verwandte heimische Gehölze dazu wie die Schlehe (Prunus spinosa), die Felsenbirne (Amelanchier) oder die Kornelkirsche (Cornus mas).
Plan für Pflanzabstand und Pflege
Die jungen Bäumchen werden in einem Abstand von etwa 1 bis 1,5 Metern gepflanzt, damit sie sich in der Breite ineinander "verzahnen" können, um eine naturnahe Windschutzhecke entlang des Grundstücks zu bilden.
Die Vogelkirsche (Prunus avium) ist beim Boden relativ genügsam, braucht es aber locker und ohne nassen "Füße". Am besten gedeiht sie auf mineralischem, unverdichteten Lehm-, Ton- oder sandigen Lehmboden.
Der Boden sollte humusreich, gut zum Durchwurzeln und gleichmäßig frisch bis mäßig feucht sein. Der pH-Wert des basenreichen Bodens liegt am besten im leicht sauren bis kalkhaltigen Bereich zwischen 6,0 und 7,5.
Falls man einen schweren, lehmigen Gartenboden hat, muss das Pflanzloch tiefgründig auf gelockert werden und etwas Sand oder Kies untergemischt werden. Bei sandigen Böden hilft das Einarbeiten von etwas reifem Kompost, um darin Nährstoffe und Feuchtigkeit besser zu speichern.
Genauer, auch für Laien erklärt:
Eine Vogelkirsche braucht im Grunde einen normalen, guten Gartenboden - also: echten Mineralboden, der nicht zu nass, nicht zu hart und nicht zu sandig ist. Er soll sich locker, leicht feucht und nicht klebrig anfühlen. Ein bisschen Humus oben drauf ist gut, aber es muss kein spezielles Substrat sein. Entscheidend ist, dass die Wurzeln leicht in die Tiefe kommen und der Boden Wasser hält, ohne Pfützen zu bilden.
Humus sind einfach verrottete Pflanzenreste in der Erde, die den Boden locker, fruchtbar und wasserhaltend machen und das "Bodenleben" unterstützen. Das ist kein Produkt, sondern ein natürlicher Bestandteil des Oberbodens, den man daran erkennt, dass er dunkel, krümelig und leicht feucht ist und sich gut mit der Hand zerreiben lässt. Nicht nötig ist „Humuserde“ aus dem Sack.
Mineralboden bedeutet: Der Boden besteht überwiegend aus Sand, Schluff oder Ton – also aus echten „Erdmineralen“, nicht aus Kompost, Rindenmulch oder Blumenerde. Das ist der natürliche Boden, den man beim Graben im Garten findet.
Tiefgründig heißt: Der Boden ist in der Tiefe locker genug, damit die Wurzeln eines Baumes weit nach unten wachsen können. Wenn man einen Spaten einsteckt, sollte man mindestens 40–60 cm tief graben können, ohne auf eine harte Schicht zu stoßen. Keine Betonreste, keine verdichtete Schotterlage, keine wasserstauende Tonschicht direkt unter dem Oberboden.
Gut zu wissen
Die Vogelkirsche eignet sich prima als Pionierbaum (KLICK), nimmt weder Sonne noch Schatten übel und ist bis mehr als minus 30 Grad winterhart. Setzlinge bekommt man preiswert bei: www.die-forstpflanze.de/wildkirsche-vogelkirsche-prunus-avium.
Etwas Besonderes ist die Traubenkirsche, sie wächst als großer Strauch oder mittelgroßer Baum und zwar recht schnell sogar an feuchten Standorten. Während der Blütezeit von April bis Mai verströmen die dicht hängenden weißen Blütentrauben einen so intensiven Duft, dass sie bereits aus mehreren Metern Entfernung wahrnehmbar ist: HIER <-KLICK.
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de