[Landkreis Fulda] In Hofbieber-Langenberg in der Rhön gibt es ein neues gastronomisches Angebot: Die „Nektar-Bar“ bietet jede Menge Köstlichkeiten – und das stets regional und saisonal. Die Gäste sind schon jetzt begeistert, ja regelrecht beflügelt. Denn in der Nektar-Bar wachsen Futterpflanzen für nachtaktive Insekten. Mit dem Projekt sollen nicht nur Nahrungsquellen für Nachtfalter und Co., sondern auch Bewusstsein für den Erhalt der Biodiversität und den Schutz der Nacht im Sternenpark Rhön geschaffen werden.
Die „Nektar-Bar“ wurde im Rahmen der Jubiläumswanderung „20 Jahre Hochrhöner“, die durch das Gemeindegebiet Hofbieber führte, gemeinsam mit einer interessierten Wandergruppe im Beisein von Bürgermeister Markus Röder, den Einwohnerinnen und Einwohnern von Langenberg sowie örtlichen Touristikerinnen und Touristikern feierlich eingeweiht.
Der Impuls kam aus der Dorfgemeinschaft Langenberg: Man wollte aktiv etwas für den Artenschutz tun. Der Ortsbeirat wandte sich an die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda. Schnell kam die Idee, gezielt etwas für nachtaktive Insekten tun zu wollen. Als gutes Vorbild diente das „Nektar-Bar-Projekt“ aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet.
Mit Unterstützung des Fachdiensts Landwirtschaft wurde eine Liste mit Pflanzen erstellt, die Nachtfaltern und ihren Raupen als Nahrungsquelle dienen. Gartenbauer Elmar Fleck aus Nüsttal-Morles legte das Beet im Auftrag der Fachstelle Sternenpark an.
„Viele denken beim Begriff Nachtfalter an Motten, die ins Licht fliegen und die oft als lästig empfunden werden. Dabei sind mehr als 95 Prozent unserer heimischen Schmetterlingsarten Nachtfalter“, sagt Sternenpark-Beauftragte Sabine Frank. „Viele dieser dämmerungs- und nachtaktiven Lebewesen sind wahre optische Kunstwerke. Mit dem Projekt wollen wir deshalb auch eine Lanze für die Schönheit der Nachtfalter brechen, die oft sprichwörtlich im Verborgenen bleibt.“
Denn die Falter mit besonderen Namen wie Kamel-Zahnspinner, Zackenrandspanner und Hopfen-Wurzelbohrer übernehmen wichtige Ökosystemleistungen. Sie bestäuben Pflanzen, die in der Dämmerung und nachts blühen, und tragen zur Fortpflanzung vieler Wild- und Nutzpflanzen wie Erbsen, Raps, Rotklee und Streuobst bei. Gleichzeitig sind Nachtfalter Nahrungsgrundlage von Eule und Fledermaus, und ihre Raupen sind Nahrungsquelle für Vögel, Igel, Reptilien, Amphibien und sogar Fische.
Das Beet in Langenberg soll Raupen und Faltern Nahrung liefern. Zur „Nektar-Bar“ gehört auch Infomaterial zum Schutz der Nacht im Sternenpark Rhön, wo aktiv gegen Lichtverschmutzung und die damit verbundene Zerstörung nächtlicher Lebensräume vorgegangen wird. Denn gerade Nachtfalter sind vom nächtlichem Kunstlicht im Freien in all ihren Entwicklungsstadien sowie in ihrer Orientierung stark betroffen.
Wer die Bar besuchen möchte, findet sie von der Kapelle in der Ortsmitte von Langenberg aus 500 m südlich außerhalb des Ortes am Südzipfel des Kirchbergs an einer Weggabelung mit Bank. https://maps.app.goo.gl/NWj2X5reZPNJgHdZ7
Gepflegt wird die „Nektar-Bar durch die Ortsgemeinschaft Langenberg.
Wer Nachtfaltern und anderen Insekten helfen und ein Beet mit Futterpflanzen anlegen möchte, findet auf der Webseite des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön hilfreiche Tipps und eine Liste mit geeigneten Pflanzen: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/nektar-bar
Quelle: Landkreis Fulda