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Home News Ticker Geld vom Staat Einwohner-Wettstreit der Städte und Kreise: UPDATE II (wächst sich aus zum DOSSIER :-)

Einwohner-Wettstreit der Städte und Kreise: UPDATE II (wächst sich aus zum DOSSIER :-)

Kommentar von Brigitta Möllermann

Historisches Thema: Stadt und Land standen immer in Konkurrenz (c) HESSENMAGAZIN.de
Historisches Thema: Stadt und Land standen schon immer in Konkurrenz (c) HESSENMAGAZIN.de

[Hessen] Sie buhlen an der Basis regelrecht um Leute - jung, arbeitsam und mit Lust auf Landluft, die sie sich täglich um die Nase wehen lassen möchten. Dafür wird unablässig in den hessischen Landkreisen geworben. Es geht dabei um so genannte Fachkräfte und junge Familien mit Nachwuchs, die sich draußen vor der Stadt bitteschön eine neue Heimat suchen sollen. Damit möchte man dem demografisch verursachten ländlichen "Geschäfte-Gaststätten-Dörfer und-Arztpraxis-Sterben" entgegengewirken.

Doch umwirbt man hierbei nicht genau diese aktiven Menschen, die das kunterbunte quirliige Leben in der Stadt zu schätzen wissen und es mehr als andere genießen, in kurzem Takt zwischen Job und Vernügen umzuschalten - anstatt täglich zwei oder mehr Stunden Lebenszeit auf dem Weg zur Arbeit zu verschwenden?

Die Konkurrenz schläft nicht: Beispiele dafür, wer am anderen Tau-Ende zieht

Die Stadt Frankfurt bastelt gerade an einem neuen modernen Stadteil für X weitere Bewohner <-KLICK. Auch Hanau strebt eifrig mit großzügig umgebauten Kasernen die 100.000 Einwohner-Marke an, damit man zur "Groß"-Stadt mutiert und kreisfrei wird <-KLICK. Entsprechend viele Einkaufzentren und die immer wieder interessant belebte Innenstadt werfen sie eloquent mit in die Waagschale <-KLICK.

Unbestreitbare Vorteile

Fulda als Bischhofssitz mit knapp 70.000 Bürgern hatte es immer schon leicht. Ewig und drei Tage ist die Kreisstadt das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Osthessens. Da wohnt man nunmal gerne. Gießen ist eine lebendige Universitätsstadt und mit rund 86.000 Einwohnern jetzt schon die siebteinwohnerstärkste Stadt Hessens.

Die größten hessischen Städte: Liste aus Wikipedia

Stadt Landkreis Einwohner
31. Dez. 2002
Einwohner
31. Dez. 2012
Veränderung
2002–2012 in %
31. Dezember 2013 Veränderung
2013 in %
Frankfurt am Main kreisfrei 643.726 687.775 +6,84 701.350 +1,97
Wiesbaden kreisfrei 271.553 272.636 +0,40 273.871 +0,45
Kassel kreisfrei 194.146 192.874 −0,66 194.087 +0,63
Darmstadt kreisfrei 138.959 147.925 +6,45 149.743 +1,23
Offenbach / Main kreisfrei 119.233 116.945 −1,92 119.203 +1,93
Hanau Main-Kinzig-Kreis 89.185 88.834 −0,39 89.907 +1,21
Gießen Gießen 73.580 76.680 +4,21 77.733 +1,37
Marburg Marburg-Biedenkopf 78.138 72.433 −7,30 73.125 +0,96
Fulda Fulda 63.149 64.779 +2,58 65.036 +0,40


Schlagwortthema Landflucht

Wie will man mit einem ländlich geprägten Kreis gegen den ständigen Zuzug in die Städte antreten?

Naja, zuerst werden von der Politik für teures Geld Forschungsprojekte vergeben, dann am Schreibtisch entsprechend ausgeklügelte Programme entwickelt, die danach der Presse und staunenden Menscheit präsentiert werden.

Doch insgeheim geht es - im ständigen Wettstreit mit anderen Bundesländern in Deutschland - um eine florierende hessische Wirtschaft: HIER <-KLICK.

Am Ende werden entsprechend (Pi mal Daumen) Fördergelder locker gemacht <-KLICK und ausführende Mitstreiter für "Modellprojekte" auf dem Land gesucht. Mehr dazu: HIER <-KLICK.

Wenn die Auserkorenen Zeit haben (und nicht gerade auf der A66 / A5 / A3 im Stau stehen), werden sie hoffentlich gute Ideen entwickeln, um - eventuell sogar gegen ihren Willen - mehr Nachbarn zu bekommen. Oder leere alte / muffige Häuser mit frischem Leben zu füllen, um sich vielleicht gleichzeitig zu überlegen, wie man einem möglicherweise anrückenden Heer von Großstadthelden Herr werden könnte.

Manch einer mag an dieser Stelle befürchten, dass viele ehemaligen Städter ihre neue Freiheit ausnutzen und in Cowboymanier durch den Wald reiten (oder biken), gedankenlos über bestellte Felder mit dem Hund spazieren gehen bzw. mit ihrer Benzinkutsche am Waldrand parken, um die Aussicht zu genießen - und dabei Treckern den Weg versperren. Aus Ignoranz, weil sie denken, es sieht / merkt ja keiner oder weil sie es nicht besser wissen.

Müssten sie aber, denn auch in der Stadt ist längst die Rede von der schützenswerten Natur

Die Stadt und die Natur

Bienen werden zwischen den Häusern nicht mehr von der Kaffeetafel auf dem Balkon vertrieben sondern willkommen geheißen. Sie dürfen sogar auf Flachdächern von Wohnsilos wohnen und manche Verkehrsinseln erblühen für ihr Futter in sommerlicher Blütenpracht. Wer als urbaner Einwohner auf sich hält, lässt sich Gemüsekisten von regionalen Biobauern ins Haus liefern oder kauft Frisches auf dem Wochenmarkt um die Ecke ein.

Ganz pfiffige Leute betreiben "Urban Gardening" und teilen sich mit anderen Bürgern Salatbeete in Parks.

  • Wenn man davon noch nichts weiß, kann man sich zum Thema "Stadtgärtnern" schlau machen: HIER <-KLICK.
  • Wer glaubt, das alles wäre reines "Journalistengewäsch", der lernt mehr über die Wellen, die diese Idee geschlagen hat: HIER <-KLICK.
  • Und kann sich sogar noch Samenbomen bestellen: HIER <-KLICK.
  • Auf die allerbeste Idee ist man in Andernach vor Jahren gekommen: Die essbare Stadt <-KLICK.

Moloch Frankfurt? - Nicht die Spur

  • Für den städtischen Nachwuchs wurden verschiedene Waldspielplätze plus einige Abenteuerspielplätze angelegt.
  • Im Streuobstzentrum "MainÄppelhaus" auf Frankfurts Lohrberg kann man Natur-Kurse belegen.
  • Ganz in der Nähe: In Neu Isenburgs Stadtwaldhaus begegnen Kinder und Erwachse echten Waldbewohnern.
  • Nicht weit weg: Die Weilbacher Kiesgruben präsentieren ein besonderes Naturschutzgebiet.
  • Und nicht zu vergessen: Der Zoo, der Palmengarten, der riesige Stadtwald, dazu ca. 70 Kilometer Grüngürtel, alles gehegt und gepflegt für erholungsbedürftige Stadtbesucher (und Touristen vom Land :-).
  • Selbst gegen Autoabgase und den Verkehrskollaps stemmt man sich inzwischen recht erfolgreich, indem man z. B. einfach "Rad fahren" propagiert. Mehr dazu: HIER <-KLICK.

Kann man den Frankfurtern da verdenken, dass es sie nicht ständig kilometerweit hinaus aufs Land in die Natur zieht?

Mit aller Macht zur Vitalität?

Trotzdem existiert in der "Provinz" (das außerstädtische Hinterland) etwas, das in der Stadt nicht zu verwirklichen ist: Ruhe. So verwundert es ein wenig, dass die "da oben" unsere Provinzen entwickeln und fördern wollen, bis dort ebenfalls der Bär steppt: HIER <-KLICK.

Aber es ist tröstlich, dass man manches dann doch nicht ganz so ernst meint

Auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Giessen, bewirbt man zurzeit (22. Februar 2018) noch den Tag der Regionen vom Frühherbst 2017: HIER <-KLICK.


Das Hinterland - zum Gähnen langweilig? Nicht die Spur

Es lebe der Unterschied!

Man muss nur etwas genauer hingucken, weil Positives auf dem Land einem nicht sofort ins Auge springt. Zudem ist das auch oft noch anders als in städtischen Gefilden - echtes Outback eben!

Angenehm ist - sofern man die "Sturm und Dran-Zeit" hinter sich gelassen hat:

  • Man kann den Himmel sehen, ohne auch einen Turm klettern zu müssen.
  • Die Luft riecht nicht nur nach Abgasen.
  • Man findet fast überall einen Parkplatz.
  • Wenn man auf der Landstraße mit dem Auto liegen geblieben ist, fahren nicht alle vorbei.
  • Es ist möglich, lange Spaziergänge mit dem Hund zu machen, ohne in Streit zu geraten mit anderen Hundebesitzern.
  • Unterwegs wünschen sich die Leute freundlich "guten Tag".
  • Kreischende Kinder treten einem nicht überall ständig auf die Füße.
  • Dorfkinder antworten recht selbstbwusst, wenn man sie etwas fragt.
  • Freie Ufer an Gewässern ohne das Schild "Zutritt verboten" sind noch zu finden.
  • Die Familie kann am Waldrand picknicken, ohne verjagt zu werden.
  • Wohnungsmiete ist billiger als im Ballungsraum.
  • Verkäuferinnen in Supermärkten nehmen sich fast immer Zeit, auf Fragen zu antworten.
  • Auf dem Land ist noch Raum für verrückte Ideen und Veranstaltungen.
  • Große aktive Vereine laden mindestens einmal im Jahr zum Fest für alle ein.
  • Die Landfrauen kochen und backen für Events sehr schmackhafte Hausmannskost.
  • Jeder darf mit einer Frischhaltedose vorbeikommen und sich etwas für zu Hause einpacken lassen.
  • Wenn man die Frage richtig stellt, verraten einem die Einheimischen, wo man Gutes beim Bauern einkaufen kann.
  • Es existieren noch genügend "Ecken", in den man Ruhe findet :-)
  • Sehr selten muss man Schlange stehen an Kassenhäuschen.
  • Auf den Wanderwegen drängelt sich kaum jemand an einem vorbei.

Gewöhnungsbedürftig für Stadmenschen ist:

  • Es gibt in vielen Einzelhandelsgeschäften feste Öffnungszeiten mit Mittagspause sowie "Mittwochnachmittag geschlossen".
  • Nicht alle Gaststätten bieten durchgehend warmes Essen an.
  • McDonalds findet man nur in größeren Orten mit Industriegebiet oder in der Nähe einer Autobahnauffahrt.
  • Keine Tankstelle hat rund um die Uhr geöffnet und nur wenige bieten in einem Shop belegte Brötchen an.
  • Taxistände sucht man vergeblich.
  • Der Öffentliche Nahverkehr geht nachts schlafen.
  • Nicht alle Spazierwege sind sauber asphaltiert und Ruhebänke stehen auch nicht überall herum.
  • Wenn man weit weg gewandert ist und es beginnt zu regnen, findet man nur Bäume zum Unterstellen.
  • ...

Umfragen: Durch die Macht der Zahlen und Daten

sind sie eine beliebte Methode, Thesen aufzustellen und sie anschließend mit entsprechenden Presseberichten zu untermauern

Am 22. Februar 2018 hat SPIEGEL Online ein Statement öffentlich abgeliefert zu einer "Umfrage in Kommunen".

Darin wird behauptet,"Digitalisierung könnte Landflucht stoppen: Metropolen ziehen Menschen an, weil sie dort gute Arbeitsplätze und bessere Infrastruktur vorfinden. Doch die Verlagerung zentraler Lebensbereiche ins Internet könnte die Unterschiede zwischen Stadt und Land auflösen," schreibt da Stefan Schultz.

Bezeichnenderweise ist der Bericht dekoriert mit dem Foto einer reetgedeckten Bauernkate. Weiterhin stammen die Antworten der Umfrage gar nicht von Kommunen, sondern von 321 der 1438 kommunalen Unternehmen. (Das sind lediglich 22,3 Prozent, mehr haben einfach nicht geantwortet :-) Sie sind allesamt Mitglieder des "Verbands Kommunaler Unternehmen" (VKU), also Ver- bzw. Entsorger von Energie und Wasser sowie Telekommunikationsunternehmen unserer Städte und Gemeinden.

Kein Wunder also, dass denen das Thema Breitbandausbau prima "in den Kram passt".

Der Verband schämt sich dessen nciht. Im Gegenteil, er bezieht stolz und offen Position: Der VKU bündelt die Interessen seiner Mitgliedsunternehmen und beteiligt sich aktiv in der politischen Willensbildung und der Gesetzgebung. (Zitat) Mehr dazu können Sie selbst nachlesen: HIER <-KLICK.

Und worum geht es eigentlich?

"Um Daseinsvorsorge als Grundlage für gleichwertige (NICHT: gleiche!) Lebensverhältnisse im ländlichen Raum"

Die CDU hat sich auf die Hinterbeine gestellt und profiliert sich seit einiger Zeit mit ihrer "Offensive Ländlicher Raum", indem sie eine Kommission einsetzt, die bis Mitte 2019 "entsprechende Vorschläge" zusammestellen will. Mehr dazu: HIER <-KLICK.

Eine Bundessteuer ohne Zweckbindung und Enddatum: Der Solidaritätszuschlag

Hier drängt sich der Eindruck auf, das drohende Ende der Infrastrukturabgabe "Solidaritätszuschlag" im Jahr 2019 könnte damit zu tun haben.

Einst war diese Steuer beim "Solidarpakt I" (Solidaritätszuschlagsgesetz 1995) dazu gedacht, den strukturschwachen neuen Bundesländern auf die Beine zu helfen. Nach den Einnahmen beim Pakts II könnte man aber auch ab 2020 gut weiter hantieren mit 19 Milliarden Euro jährlich für den Bund. Und da will jeder wohl ein Wörtchen mitreden sowie am Geschäft des Auf- und Ausbaus von Erneuierbaren Energien, Breitband etc. bitteschön beteiligt werden... oder?!

Die Umfrage zum Download plus Link zum SPIEGEL-Bericht sowie die Presse-Meldung im Original: HIER <-KLICK


... to be continued ...

Wie sich alles entwickelt: Die Redaktion von HESSENMAGAZIN bleibt weiter gespannt :-)

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