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Pilotprojekt: Hebammen unterstützen den Rettungsdienst

Intensivere Zusammenarbeit: Neue Regelungen sichern Geburtshelferinnen besser ab

Baby (c) EDUARDO JAIMES AGUIRRE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons[Main-Kinzig-Kreis] Das Kind kommt ein paar Tage früher oder später als geplant auf die Welt – das ist nichts Besonderes und kein klassischer Notfall. Mangels Alternative wird dennoch häufig der Rettungswagen gerufen. „Der Notarzt ist dann eigentlich gesetzlich verpflichtet, bei einer normal verlaufenden Geburt eine Hebamme hinzuzuziehen. Das hat aber in der Vergangenheit oft nicht geklappt“, berichtet Dr. Manuel Wilhelm, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Main-Kinzig-Kreis.

Die Leitstelle nahm Kontakt zu den Hebammen im Kreis auf. Meist kam es dann allerdings nicht zur Zusammenarbeit, entweder aus Zeitgründen oder weil für die Hebammen einige wichtige Punkte unklar waren, etwa, wer im Notfall die Entscheidungen trifft, der Rettungsdienst oder die Hebamme. Auch gab es offene Fragen zu den versicherungstechnischen Modalitäten.

Aus diesen Erfahrungen heraus stieß der ärztliche Leiter Dr. Wilhelm das Pilotprojekt „Hebamme vor Ort“ an, das seit November in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Hessischen Hebammen sowie des Kreisverbandes läuft. „Ziel war es, alle offenen Fragen verbindlich zu klären sowie eine Liste zu erstellen mit denjenigen Hebammen, die dazu bereit sind, während eines Einsatzes außerhalb einer Klinik mitzuarbeiten. Damit wollen wir die gesundheitliche Versorgung im Main-Kinzig-Kreis weiter verbessern und den Wunsch der werdenden Mütter erfüllen“, fasst Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler zusammen.

In einem ersten Schritt verschickte der Kreisverband der Hebammen ein Rundschreiben an seine Mitglieder. Bisher haben sich zehn Hebammen beim Rettungsdienst des Main-Kinzig-Kreises registriert und können nun bei einem Einsatz aufgrund einer Geburt angerufen und hinzugebeten werden. „Natürlich ist es den Hebammen jederzeit möglich, eine Anfrage abzulehnen und sie müssen auch nicht permanent erreichbar sein“, betonen Birgit Langer und Lea Korn, beide Vorsitzende des Kreisverbandes der Hebammen im Main-Kinzig-Kreis.

Die Hebammen können beispielsweise angeben, in welchem Umgebungsradius sie tätig sein wollen und ob sie tagsüber oder 24 Stunden erreichbar sind.

Der wichtigste Vorteil eines solchen Einsatzes: Die Hebammen sind in unbegrenzter Höhe über den Main-Kinzig-Kreis haftpflichtversichert. Die Versicherungsschutz dauert so lange, bis die Geburtshelferin entweder ihre Hilfe beendet oder sich das Rettungsteam ausklinkt und der Geburtshelferin die Betreuung der gebärenden Mutter überlässt.

„Handelt es sich um eine normal verlaufende Geburt, trifft die Hebamme die wichtigen Entscheidungen vor Ort und das Team im Rettungswagen unterstützt sie dabei. Handelt es sich jedoch um einen Notfall bei Mutter und/oder Kind, zum Beispiel eine Reanimation, leitet der Notarzt den Einsatz“, erläutert Dr. Wilhelm. Grundsätzlich wird der Transport ins Krankenhaus angestrebt. Ist dies jedoch aufgrund des Geburtsfortschritts nicht mehr möglich, kann die Geburt auch an jedem anderen Ort, also zum Beispiel zu Hause oder im Rettungswagen stattfinden.

Die für eine Geburt notwendige Ausrüstung ist in jedem Rettungswagen ohnehin vorhanden. Diese wird nun regelmäßig in Rücksprache mit dem Hebammenverband besprochen und, wenn notwendig, erweitert. Nach ihrem Einsatz kann die Hebamme wie sonst auch ihre Leistung mit der Krankenkasse der Mutter abrechnen. Der Rettungsdienst bleibt für die Organisation und Finanzierung des Rettungstransportes verantwortlich.

„Seit Projektbeginn im November hatten wir fünf Alarme. Einmal hat eine Hebamme eine Geburt erfolgreich mit unserem Team betreut. In den anderen Fällen war keine weitere Zusammenarbeit notwendig oder die Klinik konnte noch vor der Geburt erreicht werden“, berichtet der ärztliche Leiter Dr. Wilhelm. Bisher seien die Erfahrungen positiv, diese werden aber noch genauer ausgewertet, denn die Hebammen füllen nach ihrem Einsatz einen Fragebogen aus. Nach einem halben Jahr werden die Ergebnisse zusammengefasst und bei einem Treffen mit den Hebammenverbänden bewertet.

„Unser Ziel ist es auf jeden Fall, das Projekt in den Alltag zu integrieren und dafür weitere Geburtshelferinnen zu gewinnen“, sagt Dr. Wolfgang Lenz, Leiter des Amts für Gesundheit und Gefahrenabwehr. Die Projektidee hat sich bereits herumgesprochen, sodass der Main-Kinzig-Kreis schon Anfragen aus anderen Landkreisverwaltungen zur Kooperation erhalten hat.

Bei Fragen oder Interesse an einer Teilnahme können sich die Hebammen an den ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes Dr. Manuel Wilhelm wenden unter der E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

Quelle Text: MKK

 

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