Schon über 460 Kommunen praktizieren Insektenschutz

Montag, den 31. Dezember 2018 um 00:00 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Natur und Umwelt
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Leben für die Natur: Falter im ungiftigen Blütenreich (c) HESSENMAGAZIN.de[Hessen - Deutschland] Deutschlandweit verzichten bereits über 460 Städte und Gemeinden auf chemisch-synthetische Pestizide bei der Pflege ihrer Grün- und Freiflächen und tragen somit zum Schutz von Bienen und anderen Insekten bei. Seit 1. Dezember 2017 dokumentiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) solche Kommunen in einer interaktiven Karte. Vor einem Jahr wurde diese Karte mit damals 90 Städten und Gemeinden veröffentlicht, die Anzahl der pestizidfreien Kommunen hat sich innerhalb eines Jahres verfünffacht.

„Viele Kommunalpolitiker wollen etwas gegen das Insektensterben tun. Sie nehmen ihre Verantwortung für Mensch und Umwelt ernst und verbieten den Einsatz von Pestiziden auf ihren Flächen“, sagt Corinna Hölzel, Leiterin des Projekts „Pestizidfreie Kommune“.

„Oftmals wird diese Entscheidung durch insektenfreundliche Projekte begleitet, zum Beispiel werden Rasenflächen mit heimischem Saatgut in mehrjährige Blühwiesen umgewandelt." Auch auf den landwirtschaftlichen Flächen, die in kommunalem Eigentum sind, tut sich etwas in Richtung Insektenschutz. Immer häufiger nehmen die Kommunen Klauseln in die Pachtverträge auf, die den Einsatz von Pestiziden verbieten oder reduzieren, so Hölzel.

Chemisch-synthetische Pestizide werden produziert und eingesetzt, um Beikräuter oder ungewünschte Insekten zu vernichten. Sie schädigen jedoch nicht nur diese Zielorganismen, sondern töten auch Nützlinge wie Bienen, Schmetterlinge und Wildkräuter, die wiederum wichtige Nahrungsquellen für Insekten sind.

Das Insektensterben gefährdet andere Tierarten, die sich von ihnen ernähren und beeinträchtigt letztendlich die Lebensmittelproduktion für Menschen. „Rund zwei Drittel der Kulturpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen“, erklärt Hölzel. Der monetäre Wert der Insekten-Bestäuberleistung in Europa beträgt zurzeit etwa 22 Milliarden Euro pro Jahr und nicht zuletzt hängen auch hunderttausende Arbeitsplätze in der EU an dieser Leistung.

„In der Landwirtschaft, in den Kommunen und in Hobbygärten gibt es umweltfreundliche Alternativen sowohl für Herbizide, wie das Ackergift Glyphosat, als auch für Insektizide oder Fungizide. Thermische oder mechanische Verfahren, stärkende Pflanzenjauchen, resistente standortheimische Pflanzen, mechanische Entfernung von Schadinsekten oder auch das altbekannte Jäten, sorgen für Blütenpracht, Verkehrssicherheit und reiche Ernten, ohne nützliche Insekten wie Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge zu gefährden."

"Blütenreich und ohne Gift – das sollte das Motto aller Städte und Gemeinden sein“, so die Pestizidexpertin weiter. „Unsere Städte erfüllen viele Funktionen: Lebensraum und Spielplatz, Orte der Erholung und Umweltbildung, Rückzugsgebiete für bedrohte Insekten wie Wildbienen und Produktionsstätte für viele Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Honig. Gifte haben in dieser Umgebung nichts zu suchen.“

Viele Kommunen melden sich beim BUND mit der Bitte um Aufnahme in die interaktive Karte. Einige BUND-Landesverbände oder Kreisgruppen haben eine systematische Abfrage unter den Kommunen gestartet. So hat zum Beispiel der Landesverband Sachsen alle 421sächsischen Städte und Gemeinden angefragt, ob Pestizide zum Einsatz kommen. 314 Kommunen haben geantwortet und 177 sind dort ganz oder teilweise pestizidfrei.

Weitere Informationen: www.bund.net/pestizidfreie_kommune

Quelle Text: BUND im Dezember 2018