Insekten in Feld und Flur effektiv schützen

Samstag, den 17. August 2019 um 08:05 Uhr News Ticker - Aktuelles
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Insekt: Klein und unscheinbar, aber sehr wichtig (c) HESSENMAGAZIN.de[Hessen] Um die gefährdete Insektenvielfalt effektiv zu schützen, fordert der NABU Hessen die Landesregierung auf, ein umfassendes Konzept vorzulegen und zügig umzusetzen. Hierbei spielt die Landwirtschaft eine herausragende Rolle. Es geht um eine deutliche Reduktion von Pestiziden und den Düngereinsatz, mehr Struktur und die Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft.

Als großes Defizit sieht der NABU Hessen an, dass bestehende Förderinstrumente des Naturschutzes für Landwirte zu kompliziert und bei ihnen kaum bekannt seien. „Die Förderung des Insekten- und Vogelschutzes muss so einfach gestrickt sein, dass man einen Antrag in einer Stunde ausfüllen kann“, sagt NABU-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai.

Um das Artensterben zu stoppen, müssten klare Ziele für eine zukunftsfähige Landwirtschaft ohne Gifteinsatz formuliert und in den kommenden Jahren Schritt für Schritt umgesetzt werden. Naturschutz- und Landwirtschaft sollten ihre Arbeit künftig besser koordinieren. Daneben spielt auch die Vielfalt an Lebensräumen in der freien Landschaft eine wichtige Rolle.

Es muss dafür gesorgt werden, dass wertvolle Biotope wie Hecken, Feldrandstreifen, Wiesenwege, Streuobstwiesen und Gebüsche nicht nur dauerhaft erhalten, sondern in ausgeräumten Feldfluren auch neu geschaffen werden. Dazu gehört eine wirksame Einschränkung des unsinnigen Mulchens von Wegrändern. Wichtiger als aufwändige Blühstreifenprogramme ist zudem der Erhalt von blütenreichen Mähwiesen und extensiv genutzten Weiden.

Weiterhin ist zu bedenken, dass Blühstreifen meist nur den häufigen Arten helfen. Auf artenreichen Wiesen finden hingegen auch gefährdete Insekten wie Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge zuverlässig Nahrung. Freiwillige Förderprogramme reichen als Instrument des Naturschutzes nicht mehr aus, es werden klarere gesetzliche Vorgaben gerbraucht.

Pestizidreduktion

Der vom NABU Hessen vorgeschlagene Landesplan zur Pestizidreduktion umfasst fünf Punkte, die einen wichtigen Beitrag zum Insektenschutz und zu einer nachhaltigen Landwirtschaft leisten können.

1. Reduktion: Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft wird in Hessen bis zum Jahr 2025 um 50 Prozent reduziert.

2. Monitoring: Effektive Erfolgskontrolle durch jährliche Erhebung der Mengen, Wirkstoffe und Flächen, auf denen Pflanzenschutzmittel in Hessen eingesetzt werden.

3. Verbot: In ökologisch besonders sensiblen Gebieten wie Natur- und Wasserschutz-gebieten sowie in den europäischen Schutzgebieten Natura 2000 werden Pestizide spätestens ab dem Jahr 2022 verboten.

4. Vorbildfunktion: Das Land verzichtet auf seinen eigenen und verpachteten landwirtschaftlich genutzten Flächen ab sofort komplett auf Pestizide.

5. Unterstützung: Landwirtschaftliche Betriebe werden bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln umfassend unterstützt und beraten.

Quelle: NABU Landesverband Hessen e.V.