Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterien (EHEC) - Akt 3 August 2011

Freitag, den 12. August 2011 um 15:11 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Natur und Umwelt
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Kommentar von Brigitta Möllermann (bm) HESSENMAGAZIN.de zur "Verwirrung am Erlenbach"
(siehe nachfolgende Pressemeldung ganz unten)

Wasser: Man sieht ihm nichts an (c) HESSENMAGAZIN.de
Wasser: Man sieht ihm nichts an (c) HESSENMAGAZIN.de

[Hessen -  Deutschland] Erinnern Sie sich noch an die Wochen voller Angst vor diesem unsichtbaren "Biest", das bis auf den Tod krank machen konnte, wenn man es kalt lächelnd aus Versehen mitverzehrte: EHEC? Und daran, dass wir in jener Zeit lieber Kohl gekocht oder zu Dosengemüse gegriffen haben anstatt zu Salat? Dieser wurde nämlich während der ersten frühsommerlichen Dürreperiode bei uns mit fast "reinen" Abwässern aus dem Bach gegossen. Ja, ebenso, wie es die Südländer in Spanien auf Tomatenplantagen zu tun pflegen - in Gegenden, wo ebenfalls kein Regen Kanäle und Bäche wieder mit Frischwasser auffüllt. Glauben Sie nicht?

Sollten Sie aber, denn anlässlich des EHEC-Fundes in einem Bach bei Frankfurt am Main (Hessen -  Deutschland) ließ das Hessische Sozialministerium höchstselbst verlauten:

In dem Bach waren auch bei früheren Proben in den vergangenen Jahren hin und wieder Keime gefunden worden, unter anderem EHEC-Erreger. Bei einem Oberflächengewässer ist dies nicht ungewöhnlich. Am 17.06.2011 wurden dem Gewässer erneut Proben entnommen und zur Untersuchung versandt. Mit einem Ergebnis ist in zwei bis drei Tagen zu rechnen.

Gründe für Kontaminationen des Wassers mit dem Keim sind vielfältig. Da die Probenahme in der Nähe einer Kläranlage erfolgte, ist nicht auszuschließen, dass dort der Eintrag erfolgte. Generell vermindern Kläranlagen die im Abwasser enthaltenen Keime, damit ist das gereinigte Abwasser aber nicht hygienisch unbelastet. Mehr hierzu <-KLICK


Kann auch witzig sein: Toilettendeckel im Baumarkt - Foto (c) HESSENMAGAZIN.deHeute behauptet man, es wäre eigentlich doch NICHTS vorhanden gewesen. Also nur ein EHEC-Sturm im Wasserproben-Glas?!? Der zweite Test soll das später ergeben haben. Das Dumme daran ist, dass sich jedoch scheinbar niemand für eine anschließende - zeitnahe - Entwarnung zuständig fühlte - bis heute, wo man sich nun öffentlich den Schwarzen Peter dafür zuschiebt.

Bei so einem auffällig lauten Gequengel über eine angeblich schludrige Nicht-Information gerät das eigentliche Thema in den Hintergrund. Soll das so sein?

JETZT ist inzwischen auch definitiv NICHTS mehr im Bach nachzuweisen! Der viele Regen der letzten Wochen hat alles ordentlich durch- und weggespült. So what!

Noch am 20.06.2011 hatten andere öffentliche Stellen der Gefahr realistisch ins Auge geblickt. Die Trinkwasserlieferanten der Stadt Hanau wollten mit einer Presse-Meldung Beruhigendes nachschieben:

Keine Gefahr durch Ehec im Hanauer Trinkwasser

„Dass sich Hanauer Verbraucherinnen und Verbraucher durch das von den Stadtwerken geförderte Trinkwasser mit dem Ehec-Erreger infizieren können, ist nahezu ausgeschlossen“. Darauf weist Dr. Clemens Boecker, Geschäftsführer der Stadtwerke Hanau (SWH), ausdrücklich hin.

In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt wird das Hanauer Trinkwasser entsprechend der Trinkwasserverordnung „ständig und streng überwacht“, versichert Dr. Boecker. Bakteriologische Untersuchungen finden mindestens einmal pro Woche statt.

Schon seit Jahrzehnten wird das Trinkwasser mittels Indikatortests auf Escherichia coli (E. coli) regelmäßig untersucht. Da der Ehec-Erreger (Enterohämorrhagische Escherichia coli) vom Grunde her ein E.coli ist, wird dieser nach Auskunft der Prüflabore auch „durch den etablierten Indikatortest erkannt und angezeigt“, so Dr. Boecker.

Die Trinkwasserverordnung verbietet jegliche Form und Dosis von E.coli im Trinkwasser. Das Hanauer Trinkwasser wird außerdem vor Verlassen der Wasserwerke desinfiziert, „womit E.coli und der gefährliche Ehec-Erreger  vom Typ O104 vernichtet werden“. Quelle: Stadtwerke Hanau

Abgesehen davon, dass desinfiziertes Wasser wirklich NICHT toll ist, fragt man sich, warum diese Untersuchung bereits seit Jahrzehnten gemacht wird, wenn doch gar NICHTS ist?!?


Hier lesen Sie die Pressemeldung von heute im Original:

Akt 3 im August 2011: Gesundheitsamt klärt Verwirrung um EHEC-Erreger am Erlenbach auf

Der Ausbruch mit dem EHEC-Stamm O104:H4 im Mai und Juni dieses Jahres hat aufgrund der hohen Anzahl Betroffener und der langen Suche nach der Infektionsquelle zu einer hohen Aufmerksamkeit in der Bevölkerung geführt. Die widersprüchliche Berichterstattung über einen möglichen EHEC O104:H4-Fund im Erlenbach führte in den vergangenen Tagen noch einmal zu großer Verwirrung und Verunsicherung in der Bevölkerung und den Medien. Das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main teilt dazu folgendes mit:

Der Nachweis des Ausbruchskeimes im Erlenbach wurde vom Bundesinstitut für Risikobewertung vorgenommen, das die Untersuchungen nach den vorgegeben Analysemethoden vorgenommen hatte. Den Medien wurde der Vorbefund eines positiven Ergebnisses durch das zuständige Hessische Sozialministerium mitgeteilt. Die Pressearbeit zu den EHEC-Funden am Erlenbach wurde von den zuständigen obersten Landesbehörden, dem Hessischen Sozialministerium und dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz durchgeführt.

Nachfragen des Amtes für Gesundheit der Stadt Frankfurt beim Bundesinstitut für Risikobewertung ergaben die Auskunft, dass das positive Ergebnis in mikrobiologischen Untersuchungen und nachfolgend genommenen Proben aus dem Erlenbach nicht bestätigt wurde. Keine der Untersuchungen gab einen Hinweis auf den Ausbruchsstamm O104:H4 im Erlenbach. Das Amt für Gesundheit hat darüber im Rahmen seiner Zuständigkeit am 6. Juli die Ärzteschaft über diesen Kenntnisstand informiert.

Die Bewertung der Untersuchungsergebnisse und die Öffentlichkeitsarbeit obliegen jedoch den zuständigen Stellen. Die aufgrund der zunächst positiv bewerteten Probe aus dem Erlenbach von den zuständigen Behörden erneuerten Verhaltensempfehlungen entsprachen den ohnehin geltenden Maßregeln für den Umgang mit Oberflächengewässern, da diese natürlicherweise von Kontaminationen mit Erregern betroffen sind. Die im gleichen Zeitraum erfolgte Schließung eines landwirtschaftlichen Betriebes in Nieder-Erlenbach hat mit diesem Sachverhalt nichts zu tun.

Hier müssen zwei grundsätzliche Dinge auseinandergehalten werden: Die Schließung des betroffenen Bauernhofes durch die zuständige Behörde wurde wegen eines positiven EHEC-Nachweises sowohl auf Salat als auch im Brunnen des Bauernhofes, aus dem das Wasser für die Salatwaschanlage entnommen wurde, vorgenommen. Sie hatte nichts mit dem zunächst veröffentlichten Befund des Ausbruchstammes im Erlenbach zu tun. Die dort im Betrieb angeordneten Maßnahmen sind gesetzlich zum Verbraucherschutz vorgeschrieben. Die zuständigen Behörden haben zudem von Anfang an klargestellt, dass es sich bei dem dort gefundenen Erreger nicht um den Stamm EHEC 0104:H4 handelt, der in diesem Sommer zu besonders schweren Krankheitsverläufen geführt hat. Sofort nach Erfüllung der von den Behörden gemachten Auflagen, die zu einer nachweislichen Keimfreiheit führten, wurde der Hof wieder freigegeben.

Das Amt für Gesundheit hat aufgrund des fraglich positiven Nachweises des Ausbruchsstammes im Erlenbach nichts veranlasst. Insbesondere wurden den am Erlenbach liegenden Kindergemeinschaftseinrichtungen keine Auflagen gemacht. Allerdings wurde – wie in den letzten Jahren wiederholt auch – darauf hingewiesen, dass, abgesehen von speziellen Ausnahmen aufgrund bestehender gesetzlicher Vorgaben, das Wasser des Erlenbachs nicht zur Bewässerung landwirtschaftlicher Erzeugnisse verwendet werden darf. Die vorübergehende Schließung des Hofes durch die zuständigen Behörden hingegen war zur Verhinderung der Weiterverbreitung des dort gefunden EHEC-Stammes durch den Verzehr der Produkte des Hofes notwendig.

Das Amt für Gesundheit wird auch weiterhin an der Praxis festhalten, eine einheitliche Pressearbeit durch das Bundesinstitut für Risikobewertung und die obersten Landesbehörden, das Hessische Sozialministerium und das Hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zu unterstützen. Quelle: Frankfurt (pia), 11.08.2011


Vor-Geschichte

Juni 2011 nachlesen: HIER <-KLICK

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