Im Frühjahr kommen die Giftspritzer in die Stadt

Sonntag, den 28. April 2019 um 00:00 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Natur und Umwelt
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Symbolbild: Hanaus Grün (c) HESSENMAGAZIN.de[Hanau] Stolz ist man in Hanau darauf nicht nur darauf, bald eine unabhängige Großstadt zu werden, sondern auch, seine tierischen Feinde elegant und "spritzig" niederzumachen. So war kürzlich der Eigenbetrieb HIS (sozusagen der Hausmeister der Stadt <-KLICK) laut Pressemeldung der Stadt unterwegs, um den gerade heranwachsenden Raupen des Eichenprozessionsspinners den Garaus zu machen.

Das verwendete Spritzmittel für die rund 800 betroffenen Bäume ist in der Regel "Dipel ES". Es beinhaltet den Bacillus Thuringiensis und ist jedoch nicht so harmlos, wie man es immer gerne darstellt.

Selbst mal auf das Datenblatt schauen bei Raiffeisen: HIER <-KLICK.

Abgesehen davon ist das Biozid bzw. Insektizid, das von möglichst jungen und damit noch empfindlichen Raupen gefressen werden muss, keinesfalls 100-prozentig wirksam. Es muss nämlich an ganz bestimmten - und dazu noch warmen - Tagen gleichmäßig und blattbedeckend ausgebracht werden. Die Raupen sollten nicht daran vorbeikriechen können.

Weiterhin sollte bedacht werden, dass bei längerer Anwendung solcher "Pflanzenschutzmittel" am Ende die Zielorganismen Resistenzen entwickeln können. Wenn sie dann "immun" sind gegen das Spritzmittel, was dann?

Alle Jahre wieder: Was im Mai des letzten Jahres der Stadt-Natur schon angetan wurde: HIER <-KLICK.

Außerdem werden bei der Spritz-Methode die für uns giftigen Haare der Raupe gar nicht beseitigt! Sie bleiben, wo sie sind, und wir müssen ihnen trotz der Kosten, die die Stadt dafür aufgewendet hat, an den befallenen Stellen weiter aus dem Weg gehen.

Und das auch noch: Letztlich sind unsere Vögel die Verlierer in diesem Prozeß, weil sie auf eine Menge "Futter" verzichten müssen, das mit solchen groben Methoden ebenfalls "beseitigt" wird.


Die Pressemeldung der Stadt Hanau im Original:

HIS lässt Eichenprozessionsspinner bekämpfen

Der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) lässt derzeit den Eichenprozessionsspinner bekämpfen. Das ist vor allem auf Grünflächen und Spielplätzen sowie an Kinder-Tagesstätten und Schulen der Fall, wo es Eichenbestände gibt.

Begonnen wurde am Dienstagmorgen mit den Spritzarbeiten auf dem Hanauer Hauptfriedhof. Bis Ende der Woche soll der Einsatz abgeschlossen sein. Betroffen sind insgesamt knapp 790 Bäume.

Durch den Klimawandel hat sich der Eichenprozessionsspinner in den vergangenen Jahren stark vermehrt. Das Spritzmittel ist für Menschen und Tiere ungefährlich.

Der darin enthaltene Bacillus thuringensis schädigt die Darmwand des Schädlings, was zum Absterben der Larven führt. Die Lebensdauer des Bacillus beträgt einige Tage, dies ist allerdings von den Temperaturen und der UV-Strahlung abhängig.

Die Raupe ist für Menschen erst dann unangenehm, wenn sie Brennhaare entwickelt hat. In Kontakt mit der Haut führen diese zu stark juckenden Ausschlägen und schlimmstenfalls zu Atemnot.

Der Eichenprozessionsspinner trägt den Namen wegen seines eigentümlichen Verhaltens. Morgens und abends laufen die Raupen hintereinander, wie bei einer Prozession in die Baumkrone, um dort zu fressen. Tagsüber sammeln sie sich in ihren Nestern.

Hanau am 23. April 2019


Gut zu wissen: Es geht auch anders!

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nennt u. a. als "natürliche" Feinde der Raupen den Kuckuck und die Puppenräuber: HIER <-KLICK

Waldwissen.net beantwortet 12 wohl nie gestellte Fragen und stuft Bacillus thuringiensis-Präparate als weitgehend unbedenklich für die Umwelt ein, verrät aber auch, dass eine "Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich ist und man es von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten" soll: HIER <-KLICK.

Die Gartenakademie empfieht als vorbeugende Maßnahmen, die Gespinstnester zu entfernen und die Raupen abzusaugen: HIER <-KLICK.

Der NABU hat sich neun Din-A4-Seiten lang zum Problem mit dem Eichenprozessionsspinner Gedanken gemacht und rät von riskanten Methoden ab: HiER <-KLICK.

Oekolandbau.de weiß Genaueres zu den Bedingungen, unter denen das Mittel wirksam und (hoffentlich nicht schädlich) ist: HIER <-KLICK.

Und last but not least gibt es noch die Wissenschaft.de-Betrachtung. Nützlinge und natürliche Pflanzenextrakte sorgen dafür, dass wir Bioobst und Biogemüse essen können. Aber das ist manchmal riskant - HIER <-KLICK.