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Leben am Rande der Blauen Banane

Die Blaue Banane (c) Wikimedia Commons Public Domain /www.demis.nl

[Hessen - Europa] Die "Blaue Banane" ist das bildhafte Modell einer florierenden Wirtschaftszone in Westeuropa mit großer Besiedelungsdichte und einer besonders hohen Konzentrationen von Industrieansiedlungen. Diese Region von 1300 km Länge und etwa 900 km Breite ist ein historisch gewachsenes Städteband, das aus dicht beieinander liegenden Ballungsräumen mit sehr guter Infrastruktur besteht.

Die Chancen nicht daran angeschlossener Räume und den weniger bedeutenden Randgebieten stehen nicht wirklich gut. Logistik und Zusammenarbeit sind erschwert, auch Innovationen finden weniger "Gateways", sprich erfolgreiche Wege. Und die fehlende Attraktivität von entlegenen Gebieten führt zum so genannten "Braindrain".

Das heißt, wichtige Firmen und damit auch qualifizierte Arbeitskräfte wandern ab in Richtung Blaue Banane. So gehen Wissen sowie Arbeitskraft der ursprünglichen Region verloren. Außerdem siedeln sich dort mehr Leute an, wo der Verkehr fließt, der Handel floriert, eine Menge Kultur stattfindet und Information nicht nur tröpfeln - es also interessant, offen und multikulturell zugeht.

Ohne nun über Gewinner oder Verlierer zu sprechen, ist der Unterschied zwischen Stadt und Land deutlich zu erkennen.

Das nicht urbanisierte Leben auf dem Land läuft langsamer, organisierter und bewusster

Nachteile des Landlebens:

  • Schnelle Züge halten nicht im Dorf.
  • Zur Autobahnauffahrt ist man eine ganze Weile unterwegs.
  • Auch Discountern, Supermärkten, Schnellrestaurants und Drogerieketten sind schwach besiedelte Gebiete nicht rentabel genug.
  • Der Wocheneinkauf wegen der langen Wegstrecken selten spontan erledigt.
  • Wer auf dem Land über kein eigenes Auto verfügt, ordert außerhalb der Schulbuszeiten eine Stunde vor einem Termin ein Anrufsammeltaxi.

Vorteile auf dem Land gibt es natürlich auch:

  • Die dörflichen Soziotope (Lebensräume von Gruppen) bieten gute Grundlagen für gemeinschaftliche Aktionen samt Integration aller Generationen.
  • Meistens kennt man seine Nachbarn recht gut. Unterstützung gibt es oft und gerne auf Gegenseitigkeit.
  • Die sozialen "Brennpunkte" mit erhöhter Kriminalitätsrate sind seltener.
  • Die Umwelt ist in der Regel noch relativ sauber.

Einige Nachteile des Stadtlebens:

  • In zentral liegenden Regionen der blauen Banane werden die Menschen oft abhängig von der Infrastruktur: Wer zum Beispiel sein Auto abschafft, um das Verkehrschaos plus die Umweltbelastung nicht noch zu erhöhen, wird am Wochenende kaum ein stilles Plätzchen im Park finden - geschweige denn gute Luft.
  • Im Laufe der Zeit werden die beliebtesten Wohngegenden durch Gentrifizierung (Umwandlung vom Szene- zum noblen Trendviertel) immer teuer, und ein Haus mit Garten ist für die meisten Durchschnittsverdiener sowieso unbezahlbar.

Hoffnung auf Suburbanisierung - Beginn der Stadtflucht

Wer über einen gewissen Wohlstand verfügt, zieht vielleicht irgendwann hinaus in das (schon zersiedelte) Umland mit den typischen asphaltierten Wegen und einer reduzierten Natur. Dort hin, wo die S-Bahn jedoch noch fährt. Ganz weg aus dem Ballungszentrum wollen vorerst nur wenige. Die Gründe liegen auf der Hand: Fehlende Dynamik (nix los) und eine wenig bequeme Ausstattung des Lebensumfeldes Dorf (siehe oben).

Allein die tägliche Fahrerei zum Arbeitsplatz kostet viel Zeit. Gäbe es einen (ebenso) gut bezahlten Job gleich um die Ecke, wäre mancher sicher eher bereit, ganz auf das Land zu ziehen. Die romantische Sehnsucht nach der Idylle zwischen Wald und Wiesen wächst ja schon seit Jahren.

Und wenn auch Schule und Krankenhaus kilometerweit entfernt liegen: Man kann die Kinder draußen spielen lassen und herrlich frische Luft atmen, während das Stadtklima im Sommer durch die dichte Bebauung und die vielen versiegelte Flächen oft bis zur Unerträglichkeit aufgeheizt ist.

Urbanes Gärtnern reicht nicht

Abgesehen davon, dass Städte zwingend auf Versorgung von außerhalb angewiesen sind - und zwar mit Wasser, Holz, Garten- und Agrarprodukten sowie frischen Nahrungsmitteln vom Land, verursacht der stete Trend "weg aus der Stadt" den Stadtplanern seit ein paar Jahren schon Kopfzerbrechen. Mitten in der Stadt wollte zum Schluss niemand wirklich mehr wohnen.

Aus diesem Grunde haben Marketingaktionen Innenstädte teilweise wieder belebt und sollen auch weiterhin auf ansprechende Weise die Stadtkerne zur Geltung bringen. Doch die  zunehmend besser werdende Anbindung des Verkehrs ins Umland - per Straße oder Schiene,  Eigenheimzulagen und dazu eine pfiffige Infrastruktur könnten die Entwicklung eines Tages umkehren... Ganz besonders in den Zeiten des Klimawandels!

Quelle: Brigitta Möllermann


Gut zu wissen

Die "Blaue Banane" von Liverpool bis zum Mittelmeer in Norditalien zieht sich durch neun westeuropäische Länder (bis auf die Schweiz). Sozusagen "erfunden" hat den Begriff der Franzose Roger Brunet im Jahr 1989. Der Geograph und Professor, Direktor des wissenschaftlichen Forschungszentrum CNRS (Centre national de la recherche scientifique), wollte mit seiner Studie der Gruppe RECLUS Europa in Aktiv- und Passivräume untergliedern.

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[Deutschland] Es summt und brummt immer weniger in der Natur. Das Sterben der Insekten hat dramatische Ausmaße und ist wissenschaftlicher Fakt. Alle Forschungsergebnisse nennen für das Insektensterben zwei Hauptgründe: den Klimawandel und die intensive Landwirtschaft. Im Rahmen seiner Insektenkampagne „Lass‘ brummen!“ und des bundesweiten BUND-Kampagnentages in sieben Bundesländern fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Namen von über 100.000 Menschen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine gemeinsame Kraftanstrengung, um unsere Insekten und damit die Artenvielfalt zu retten.

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