Der Weißstorch: Neues über Adebar

Samstag, den 23. Mai 2015 um 00:00 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Natur und Umwelt
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Storchennest (c) A. Bauer / GNA [Rodenbach - Main-Kinzig-Kreis] Der Weißstorch ist einer der beeindruckendsten Wiesenvögel der offenen Landschaft und ein ausgeprägter Kulturfolger. Und doch hat er ganz spezifische Ansprüche an seinen Lebensraum. Übergangszonen zwischen Wasser und Land, Uferzonen von Flüssen und Seen und regelmäßig überschwemmte Wiesen und Niedermoore zählen zu seinen Nahrungsgebieten, berichtet die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) im Mai 2015.

Immer früher kehren die Störche, wissenschaftlich Ciconia ciconia genannt, in ihre Brutgebiete zurück. Konnte man bisher erst Ende Februar bis Mitte März mit ihnen rechnen, so sind seit kurzem bereits im Januar wieder Störche bei uns zu beobachten. Ebenso nimmt das Phänomen der so genannten „Winterstörche“ zu, die die kalte Jahreszeit in ihren angestammten Brutgebieten verbringen. Früh im Jahr lassen sich aber noch keine Amphibien in den Wiesen und Tümpeln der Auen finden. Deshalb stellen sich die Störche ganz auf die Jagd nach Mäusen ein, die sie - langsam über die Wiesen schreitend - erbeuten.

Heute, wo Feuchtgebiete selten geworden sind, frisst der Weißstorch nicht nur Frösche, Kröten und deren Kaulquappen. Er ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist, der seinen Speiseplan an die örtlichen Gegebenheiten anpasst. Eine hohe Nahrungsdichte und leichte Verfügbarkeit sind ausschlaggebend für den Fortpflanzungserfolg des Weißstorches und für das langfristige Überleben dieser großen Wiesenvogelart. Die Zeit, die Storcheneltern aufwenden müssen, um ihren Nachwuchs mit Futter zu versorgen, ist daher ein zuverlässiges Maß für die Nahrungssituation eines Brutpaares und für den ökologischen Zustand der Nestumgebung.

Zurzeit sind - wie im Vorjahr - wieder 41 Nistplattformen im Main-Kinzig-Kreis besetzt und die ersten Jungen geschlüpft. In deren ersten Lebenswochen verfüttern die Storcheneltern Regenwürmer, Insektenlarven, Heuschrecken und Laufkäfer. Danach verschiebt sich das Spektrum zu größeren Beutetieren: Eidechsen, Schlangen, Maulwürfe, Spitzmäuse, aber auch Schnecken, Muscheln und Fische stehen auf dem Speiseplan der heranwachsenden Störche. Leider wird aber auch vor anderen Vogelarten, wie vor den Küken des bedrohten Kiebitzes, nicht halt gemacht.

Der Nahrungsbedarf einer durchschnittlichen Storchenfamilie ist enorm: Bis zu 1,2 Kilogramm tierisches Futter benötigt ein Jungvogel täglich. Hat ein Storchenpaar vier Junge, bedeutet dies für die Eltern, täglich mehr als fünf Kilogramm Beutetiere fangen zu müssen. Die Eltern selbst kommen mit 500 Gramm Nahrung täglich aus..

Artenschutzmaßnahmen der GNA

Fehlende Nistplätze sind schon lange nicht mehr das Problem des Weißstorches. Wichtiger ist es, dem Weißstorch Lebensräume anzubieten, in denen er genug Nahrung für sich und seinen Nachwuchs findet. Deshalb setzt sich die GNA aktiv für den Erhalt großflächiger Feuchtwiesen und Auen ein, für den Schutz der Brutgebiete in den Flussauen, eine extensive Grünlandbewirtschaftung, die Optimierung von Nahrungsbiotopen, Anlage von Nahrungstümpeln und Wasserflächen sowie die Pflege und Erhalt bestehender Storchenhorste. Das Errichten weiterer Nistplattformen wird zurzeit nicht favorisiert.

„Durch das Aufstellen immer neuer Storchenmaste wächst die Population der Weißstörche ständig an, was grundsätzlich sehr erfreulich ist, nachdem der Weißstorch fast zwei Jahrzehnte lang ganz aus Hessen verschwunden war. Während im ersten Jahr seiner Wiederkehr, im Jahr 2000, nur zwei Brutpaare im Main-Kinzig-Kreis siedelten, waren es im letzten Jahr, also 14 Jahre später, schon 41 Brutpaare, die insgesamt 94 Jungstörche aufzogen.“, erläutert GNA-Biologin Susanne Hufmann die aktuelle Situation.

Die mittlere Gelegestärke liegt bei 3 bis 4 Eiern. Wesentlich niedriger als die Zahl der Eier sei die Anzahl ausfliegender Jungvögel. Sie liegt im Durchschnitt bei 1 bis 2 Jungen, so geschehen im letzten Jahr in Rodenbach, wo insgesamt 5 Nester besetzt waren. Denn nur dort, wo die Nahrungsvoraussetzungen wirklich gut sind, gelingt es, alle Jungvögel eines Horstes großzuziehen. So könnte die geringe Anzahl der Rodenbacher Jungstörche, die tatsächlich flügge wurden, das erste Signal einer Nahrungsknappheit sein. Denn nicht nur Störche machen Jagd auf Mäuse, Frösche und Co., sondern auch Grau- und Silberreiher, deren Anzahl ebenfalls stark zugenommen hat.

„Wenn man bedenkt, dass zum Ende des Sommers 2014 allein im Main-Kinzig-Kreis 176 ausgewachsene Störche ernährt werden mussten, ist das schon eine große Belastung für die Artenvielfalt.“, so Hufmann abschließend. Abhilfe schaffen könnten nur Lebensraumoptimierungen wie die Anlage von Flachwassertümpeln oder anderen Nahrungshabitaten in der Aue, wie sie von der GNA schon seit langem durchgeführt werden.

Quelle: GNA

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