Shootingstar Gänseblümchen - Heilkraut und Suppeneinlage

Mittwoch, den 19. Juni 2013 um 00:00 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Natur und Umwelt
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 Gänseblümchen: Tausendsassa? (c) HESSENMAGAZIN.de
Gänseblümchen: Tausendsassa? (c) HESSENMAGAZIN.de

[Hessen - Welt] Ein unscheinbares Pflänzchen hat Karriere gemacht: Gänseblümchen werden seit einiger Zeit in Gewächshäusern vorgezogen und im Gartenmarkt in kleinen Plastiktöpfchen verkauft. Rund zwei Euro kostet dann so ein gezüchtetes "Heilkraut" mit dem lateinischen Namen Bellis perennis. Wir erfahren auf einem Schildchen, dass es einen sonnigen bis halbschattigen Standort braucht und als "Bodendecker" zehn Zentimeter hoch wird. Und wozu es gebraucht werden kann: Die jungen Blättchen für einen (Zwergen-)Salat, Blätter und Blüten für einen Tee gegen Husten oder einfach als Abführmittel. Für Heilumschläge könne man es auch noch verwenden.

Also kein charmantes Wiesenblümchen mehr?

Wir sind verwirrt und recherchieren im Internet

Fundstück 1 - Heilung: Ein privat verfasster "Heilpflanzenkatalog" von einem Anhänger spiritueller Lebensweise, empfiehlt eine "Frühlingssuppe zur Blutbildung und -reinigung" unter anderem mit Gänseblümchen. Nebenbei wird erwähnt, dass die Schulmedizin das Blümchen nicht verwende. Zudem wird angegeben, dass bei "massvoller" (maßvoll = das normale Maß nicht übersteigend) Anwendung keine Nebenwirkungen bekannt wären. Neben weiteren tollen Tipps findet man noch einschlägige Werbung auf jener Seite.

Fundstück 2 - Speiseplanung: Auf einer romantisch angehauchten privaten Homepage im Internet wird geschwärmt, das Gänseblümchen wäre ein "sensibles" aber "willensstarkes Kraut". Der lateinische Name stünde für sein dauerhaftes Blühen und bedeute übersetzt "Fortwährend-Schöne". Blüten und Blätter der Pflanze, die leicht nussig schmecken, passten "hervorragend zu süßen wie herzhaften Speisen". Über die "Hauptwirkstoffe" ist man anscheinend genauestens informiert: "Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Vitamine A, C, ätherische Öle, Gerbstoffe, Saponine, Schleimstoffe, Inulin". Aber am Ende wird noch verraten, dass "Gänse das Blümchen nicht essen. Sie lassen es auf der Wiese stehen". Warum eigentlich?

Fundstück 3 - Gartenunkraut: Für manche Gärtner, die die Zeit verschlafen haben und noch nach "englischem Rasen" statt Biodiversität streben, gelten Gänseblümchen anscheinend als Unkraut: "Ein gesunder dichter Rasen verhindert oder mindert den Wildwuchs von Unkraut wie zum Beispiel Moos, Löwenzahn oder Gänseblümchen". In einem Forum stöbert man dazu eine spezielle Frage von Barbara zur "Rasenverunreinigung" auf. Sie beklagt sich, dass in ihrem Super-Rollrasen Unkraut ("z. B. Gänseblümchen etc.") wächst und sich leider trotz verzweifelten Versprühens von "Unniversal Rasen Unkrautfrei" und "Einzelbehandlung" keine Wirkung zeige. Kommentare zu ihrer Frage lauten: "Sind doch hübsch", "besser als Klee" und "bloß keine Herbizide".... bevor man zur Tagesordnung übergeht: "Kann mir jemand einen günstigen Rasenmäher empfehlen?"

Erkenntnisse: Die verschärfte Version der Vegetarier, Rohkostler, denen der Salat aus dem Supermarkt einfach nur öde schmeckt, experimentieren gerne mit allem, was aus der Erde hervorstrebt. Sie vertilgen nicht nur Blühendes, sondern auch Brennnesseln, Kleesprossen und Weizengras. Dadurch hoffen sie auf Gesundheit und ein besseres Leben. Hinzu kommen "pausbäckige" (?) Äpfel und "sonnengereifte" Erdbeeren. Sofern man letztere in dieser Form bekommt und sie nicht nach Gurken schmecken oder mit Pestiziden belastet sind. HESSENMAGAZIN hat sich daüber schon Gedanken gemacht: HIER <-KLICK.

Wer sich nun gar nicht mehr zurechtfindet, könnte Wikipedia konsultieren: HIER <-KLICK. Allerdings wird dort bei den Einzelnachweisen kommentarlos verlinkt - und zwar dummerweise genau zum oben genannten "Heilpflanzenkatalog" und zu weiteren einer "Naturheilkraut"-Seite, die eine Wiener Firma erstellt. Deren Hauptgeschäft ist es eigentlich, einen Internetshop für virtuelle Telefonanlagen zu betreiben.

Der Südwestfunk hat sich ebenfalls schon viele Gedanken gemacht über das harmlose Gänseblümchen. Viele Sendungen erteilen Ratschläge zum Schönaussehen, Essen, Kuren, Heilen sowie zum Herstellen von Umschlägen aus gekochten Gänseblümchen: HIER <-KLICK.

So wagt man dann noch einen Blick ins "FloraWeb" (das Online-Informationsangebot des Bundesamtes für Naturschutz / BfN über die wildwachsenden Pflanzenarten, Pflanzengesellschaften und die natürliche Vegetation Deutschlands). Dort wird informiert über "common daisy" in englisch. Eventuell stöbert man weiter auf dort verlinkten Webseiten wie EOL - Encyclopedia of Life. In diesem "Gärtner-Wiki" wird das "Müllerblümchen" in DEUTSCH zwar noch nicht beschrieben, aber es ist in englisch <-KLICK vorhanden. Mit Bing von Microsoft kann es für den Internetexplorer online übersetzt werden: HIER<-KLICK.

Zur "Kräutermedizin" muss da allerdings noch nachgearbeitet werden: "Dieser Abschnitt benötigt weitere medizinische Einrichtungen zur Überprüfung oder setzt zu stark auf Primärquellen. Bitte überprüfen Sie den Inhalt der Abschnitt und fügen Sie die entsprechenden Verweise wenn du kannst. Unsourced oder schlecht Quellen Material möglicherweise entfernt. (September 2012)"

Am Ende bleibt uns wohl als einzige gesicherte Wahrheit:
"Gänseblümchen haben traditionell verwendet zur Herstellung von Daisy Chains in Spiele für Kinder" :-)

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