Rundengewinner: Vogelschutz kontra Windenergie

Dienstag, den 05. Juni 2012 um 23:00 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Natur und Umwelt
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Wind - Energieanlagen im Naturpark Hoher Vogelsberg (c) HESSENMAGAZIN.de
Wind - Energieanlagen im Naturpark Hoher Vogelsberg (c) HESSENMAGAZIN.de

[Ulrichstein / Hoher Vogelsberg / Kassel - Mai - Juni 2012] Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel entschied kürzlich in einem Eilverfahren eine Klage des NABU (Naturschutzbund) Hessen gegen die Betreibergesellschaften "hessenWind" (hessenEnergie der OVAG) und "Bürgerwind Ulrichstein" (137 Kommanditisten mit Einlagen in Höhe von insgesamt 11,7 Millionen Euro): Fünf von sieben Windkraftanlagen in Helpershain / Meiches mit einer Nabenhöhe von 138 Metern müssen vorerst still stehen.

Die Windräder, die im Herbst 2011 in Betrieb gegangen waren, verschließen eine drei km breite Lücke zwischen zwei vorhandenen Windparks mit insgesamt 24 Anlagen, die bislang artengeschützten Vögeln ein Durchkommen ermöglicht hatte. Sie stehen in einem EU-Vogelschutzgebiet in der Umgebung von FFH-Gebieten.

Die Betreiber der Energieanlagen gehen nach dem Urteil allerdings weiterhin davon aus, dass die Bau- und Beriebsgenehmigung der Windräder im nächsten Gerichtsverfahren in Gießen erneut zu ihren Gunsten entschieden wird. Zumal sie sich verpflichtet haben, für rund 200.000 Euro geplante "Ausgleichsmaßnahmen" vorzunehmen: Neuanlage von Teichen, Gewässeroptimierung bei Feldatal und Romrod sowie die Verbesserung von Schwarzstorchhabitaten in der Nähe der gebauten Anlagen.

Das Land Hessen hat sich als Ziel gesetzt, zwei Prozent seiner Fläche für die Energiewende mit Windkraft bis zum Jahr 2050 zur Verfügung zu stellen. In einem Abstand von 1.000 Metern zu bewohnten Gebieten und 100 Metern zu Verkehrswegen sollen Gebiete dafür ausgewiesen werden. Doch das ist nach Meinung von Naturschützern schwer mit der Bewahrung der biologischen Vielfalt in Einklang zu bringen.

Die Bürgerinitiative „Gegenwind Vogelsberg“ weist zusätzlich darauf hin, dass "der Vogelsberg schon seinen besonders großen Beitrag zur Energiewende geleistet habe, da von den insgesamt 600 hessischen Windkraftanlagen rund 200 in der Region platziert sind".

Nach Überzeugung von Regierungspräsident Dr. Lars Wittecks sind damit zwar knapp 1 Prozent der Fläche des Vogelsbergkreises bereits zugebaut, „und dies ist zwar mehr als in anderen Landkreisen, aber immer noch wesentlich weniger, als sich der Energiegipfel Hessens zum Ziel gesetzt hat. Wenn diese Ziele jedoch eingehalten werden sollen, dann ist noch nicht Schicht im Schacht“.

Bestand am 31.12.2011: 665 Einzelanlagen, knapp 200 davon alleine im Vogelsberg (c) Vogelsbergkreis

Bestand am 31.12.2011: 665 Einzelanlagen, knapp 200 davon alleine im Vogelsberg (c) Vogelsbergkreis <-KLICK