Feldhamster: Vom Aussterben bedroht

Mittwoch, den 18. Juli 2012 um 00:00 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Natur und Umwelt
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Wohnraum gesucht – Schilder informieren über Feldhamsterschutz

Der Feldhamster ist selten geworden (c) HESSENMAGAZIN.de

[Wetterau] „Suche 3-Zimmer-Wohnung, Kellergeschoss, ruhige Wohnlage, mit reichhaltigem Lebensmittelangebot in der Umgebung und gern mit abwechslungsreichem Nachtleben.“ Diese Meldung steht nicht im Anzeigenteil einer Zeitung, weil dieser Wohnungssuchende nur etwa 30 cm groß ist und seine Wohnung mit Futter-, Wohn- und Müllkammer vorzugsweise selbst gräbt. Er ist ein alteingesessener Bewohner der Wetterau: Der Feldhamster.

Die meiste Zeit des Tages verbringt er in seinem Bau tief unten im Ackerboden, erst in der Dämmerung wird er aktiv. Doch sobald er die Nase aus dem Bau streckt, um auf Nahrungssuche zu gehen, wird es gefährlich für ihn. Ganz besonders, wenn er für sein Futter weit laufen muss und auf dem Weg dorthin keine Deckung findet. Der Feldhamster frisst neben Würmern und Käfern allerlei Pflanzliches, besonders für seinen Wintervorrat „hamstert“ er gern Getreide auf Äckern mit Kulturpflanzen oder in möglichst wildartenreichen Strukturen wie Rainen, Graswegen oder Brachflächen.

Er ist darauf angewiesen, innerhalb seiner Reichweite genügend Futter zu finden. Gleichzeitig benötigt er Deckung vor Beutegreifern wie Mäusebussard, Fuchs oder nicht angeleinten Hunden. Denn große Fluchtdistanzen schafft er nicht, und auch die hamstertypischen Drohgebärden (auf die Hinterbeine stellen, Backen aufblasen, knurren und anspringen ;-) helfen gegen diese Feinde nur selten.

Im Frühjahr und vor allem im Spätsommer ist das Angebot an Nahrung und Deckung gering. Nach der Getreideernte, die relativ früh und mit heutigen Mähdreschern schnell und verlustarm zu machen ist, sind große Flächen innerhalb kurzer Zeit wie leer gefegt. Das macht den Zeitraum bis zur Winterruhe für den Feldhamster sehr schwierig und ist mit ein Grund dafür, dass er mittlerweile sehr selten geworden ist und europaweit unter Schutz steht.

Der Feldhamster ist einst bis nach Mitteleuropa vorgedrungen, weil der Ackerbau ihm ähnliche Lebensbedingungen bot wie die euroasiatische Steppe. Heute nötige Schutzmaßnahmen können daher nur greifen, wenn man sie in die Bewirtschaftung der Ackerflächen integriert. Man ist daher in Hessen seit etwa zehn Jahren dabei, Landwirte für den Feldhamsterschutz zu gewinnen.

Informationen zum Feldhamsterschutz

Das hessische Agrarumweltprogramm HIAP honoriert zusätzliche Natur- und Umweltschutzleistungen von Landwirten. Für den Schutz des Feldhamsters etwa lassen die Landwirte bei der Ernte einen Teil ihres Getreides als Nahrung und Deckung für den Hamster stehen. Für die Ernteeinbußen und vor allem für den zusätzlichen Arbeitsaufwand, der bei der Nachbearbeitung der Flächen entsteht, erhalten die teilnehmenden Landwirte dann einen finanziellen Ausgleich. Dafür wird zwischen dem Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises und dem Landwirt im Vorfeld ein einjähriger HIAP-Vertrag geschlossen.

Landwirte, die geeignete Flächen haben und am Feldhamsterschutzprogramm teilnehmen möchten, werden weiterhin dringend gebraucht, denn die Situation des Feldhamsters ist immer noch kritisch. Infos zur Teilnahme gibt es beim Fachdienst Landwirtschaft unter Tel. 06031/83-4206 (Fr. Dehnert) und per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Neue „Hamsterschilder“ sollen nun auch Spaziergänger und Radfahrer ansprechen, die in der Feldflur unterwegs sind. Sie werden dort aufgestellt, wo Landwirte Getreide- und Stoppelstreifen anlegen. Im Spätsommer sind die Streifen weithin sichtbar und manch einer hat sich schon gefragt, was es wohl damit auf sich hat. Hat der Landwirt hier vergessen zu ernten? Die Schilder informieren über den Zweck der Getreidestreifen für die Tierwelt und rufen dazu auf, Hunde nicht frei auf den Feldern laufen zu lassen.

Quelle: Wetteraukreis


Frankfurter Umweltamt widmet neue Artenschutz-Postkarte dem Feldhamster

[Frankfurt] Die neue Artenschutzpostkarte des Umweltamtes ist einem mittlerweile sehr seltenen Bewohner von Frankfurter Ackerflächen gewidmet: dem Feldhamster. Er steht zudem in ganz Europa kurz vor dem Aussterben. Im Frankfurter Ballungsraum ist die Situation besonders kritisch.  Das bis zu 30 Zentimeter große Tier gräbt Baue in gut durchlässige Ackerböden und sammelt von April bis August emsig Getreidekörner, Rüben, Raps und Mais, um einen Vorrat für den langen Winterschlaf anzulegen.

In Rhein-Main existieren nur noch kleine Vorkommen des früher sehr verbreiteten Feldbewohners. Sie sind durch stark befahrene Straßen voneinander isoliert. Eine Population nach der anderen stirbt aus. Es besteht kaum die Möglichkeit, dass neue Individuen des bunten Feldbewohners einwandern. Das Land Hessen hat ein Artenhilfsprogramm für den Hamster in Hessen aufgelegt. Unterstützt durch die Landwirtschaftsverwaltung werden Verträge mit Landwirten gemacht. Jeder Landwirt, der Hamsterschutzmaßnahmen auf seinen Flächen durchführt, erhält dafür eine Entschädigung aus Landesmitteln.

Leider gehen die Bestände schneller zurück, als Schutzmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Die Stadt Frankfurt versucht deshalb gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für Feldhamster AGF, die letzten Vorkommen des Feldhamsters in Frankfurt zu erhalten. Das Umweltamt hat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll Ideen und Maßnahmen für den Raum Unterliederbach/Zeilsheim entwickeln, um die Restbestände zu stabilisieren sowie dauerhaft überlebensfähige Populationen zu schaffen.

Ein weiterer Baustein zum Artenschutz in Frankfurt ist die seit Anfang 2012 eingeführte „Biodiversitätsklausel“. Sie gilt für alle von der Stadt gepachteten Ackerflächen. Der hierfür vom Umweltamt in Abstimmung mit dem Liegenschaftsamt und Vertretern der Landwirte entwickelte Leitfaden enthält gezielte Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, die auf ein Prozent der Gesamtpachtfläche umzusetzen sind. Ackerbaulich genutzte Flächen sollen so als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten aufgewertet und der Biotopverbund verbessert werden.

Die betroffenen Landwirte können aus acht verschiedenen Maßnahmen frei wählen. Eine davon ist das Bereitstellen von Nacherntestreifen. Gerade nach der Ernte mangelt es dem Nager nämlich überall an Nahrung und Deckung. Dazu werden in den Getreidefeldern mindestens zwei Meter breite Streifen nicht abgeerntet.

Insgesamt sechs der circa 80 betroffenen Betriebe haben sich im ersten Jahr der „Biodiversitätsklausel“ für diese Schutzmaßnahme entschieden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch Mitarbeiter des Forschungsinstituts Senckenberg.

Quelle Text: Frankfurt (pia)