Wohin mit den alten Sachen: Müll ist doof

Samstag, den 21. Januar 2023 um 11:47 Uhr Gut zu wissen - EntSorgen: Weg damit
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Zwei Zentimeter groß: Rosa Nilpferd aus Glas als Setzkastendeko (c) HESSENMAGAZIN.de[Hessen und Drumherum] Einige Jahre nach dem letzten Krieg, in dem vieles zerstört und nicht mehr verfügbar war, kurbelte unsere Zivilgesellschaft mit aller Kraft die Wirtschaft an. Leute, denen das entsprechende Geld zur Verfügung stand, kauften ein: Möbel, Teppiche, Geschirr, Besteck, Bücher Wäsche und Fahrzeuge. Alles im Stil jener Zeit und im festen Glauben, ihr Eigentum hielte nun für die Ewigkeit. Doch bald waren Plüsch und "Gelsenkirchener Barock" fürs Wohnzimmer out. Und da die Jugend sich damals lieber mit Schaumgummimatte und angepinselter Bananenkiste einrichten wollte, als das Erbe für die düsteren Einrichtungen anzutreten, verschwand vieles in Lagerhäusern und noch vorhandenen Stadtbunkern.

Das eine oder andere Umzugsunternehmen eröffnete darin Gebraucht- oder Antikmärkte und hielt sich mit Verkäufen von Omas Utensilien schlecht und recht über Wasser. Hinübergerettet in die heutige Zeit hat sich z. B. der www.leipold-markt.de.

In den 1980er Jahren ploppten Flohmärkte vermehrt auf, wo nun die kleineren, tragbaren Schätze feilgeboten wurden - ein immer größer werdender Trend und anfangs ein gutes Geschäft. Der eine oder andere Sammler stöberte dort sogar professionell Kunst, schönen Kitsch, Industriedesign und manches Antike auf, um die Sachen anschließend auf dem in dem Mitte der 1990er Jahre gegründeten Onlinemarkt im Internet zu versteigern: Ebay.

Doch eine Flut aus günstiger Neuware von Fernost überschwemmte nach und nach die Trödelmärkte, und so mancher Händler gab auf. Die logische Folge war, dass jeder alte Kleinteile in der Mülltonne entsorgte und unbenötigtes Großes an den Straßenrand stellte, nachdem er oder sie seinen "Sperrmüll" zuvor möglichst ordnungsgemäß bei der Stadt oder Gemeinde angemeldet hatte.


Da die Müllberge unserer Konsumgesellschaft laufend höher wuchsen, zumal jeder nun bei immer mehr Mitnahmemärkten interessanten Nachschub erstehen konnte, musste bei den Entsorgungsbetrieben mit der Zeit umgedacht werden. Die Themen Mülltrennung und Recycling kamen auf den Plan. Lesen Sie: Wie aus Abfall Wertstoffe wurden <-KLICK

Irgendwann begann sich aus unerfindlichen Gründen das Blatt zu wenden

Antikes kam aus der Mode, es wurde unerschwinglich. Stattdessen wurde junges Altes irgendwann nach der Jahrtausendwende hochgelobt zu Vintage. Angeschrabbeltes gilt nun als Shabby Chick und junge Frauen erstehen mit Begeisterung verrosteten Gartenschmuck für Heim und Hof. Der trendige Einrichtungsstil läßt Gegenstände aus der jüngeren Vergangenheit - notfalls mit ein paar bunten Pinselstrichen - in neuem Glanz erstrahlen.

Es geht nicht nur um Schonung der Umwelt

Wer sich entsprechend individuell einrichten will, schaut sich um bei Etsy, Troc, Fairmondo, immer noch bei Ebay (auch mit Sofortkauf) und Ebay-Kleinanzeigen samt den Unterkategorien Verschenken, Tauschen und Verleihen... oder bei Moebel-Keller (für Leute mit Designanspruch).

So gut wie neu zum Verkaufen oder Verschenken (c) HESSENMAGAZIN.de
So gut wie neu zum Verkaufen oder Verschenken (c) HESSENMAGAZIN.de

Daneben wird man ebenso fündig bei privaten Verkaufsanzeigen online auf markt, Quoka, shpock und Hood.

Nur weg damit: Abholen lassen oder lieber in gute Hande verschenken

Wenn jemand jedoch etwas loswerden will oder muss, weil er Omas Häuschen nach ihrem Ableben leer machen möchte, hat er / sie es dagegen nicht einfach. Professionelle Entrümpler sowie angeblich private Sammler bieten eifrig Generallösungen und ihre Dienste zu unterschiedlichen Preisen an. Sie versprechen: "Verwertbares wird angerechnet."

Was letzten Endes jedoch mit dem - ach, doch leider nicht verwendbarem - Schrankinhalt, alten Bildern, "billigem" Tafelsilber und Erinnerungsstücken passiert, erfährt man nicht. Vermutlich landen die Sachen auf Trödelmärkten oder in Second-Hand-Läden zum Verkauf.

Möchte man das "Heft" lieber nicht aus der Hand geben, hat man seit einiger Zeit die Möglichkeit, seine Sachen selbst über das Internet zu verschenken. Von der Couch aus stöbern dann hoffentlich viele Besucher danach. Fast so wie auf dem Flohmarkt... Allerdings darf man auf den kostenlosen Internetseiten nicht alles einstellen: Siehe Beispiel für die Region Offenbach: Nutzungsregeln <-KLICK.

Second Hand ist TOP: Sinnvolle Wiederverwertung

Als sogenannte "Resourcenretter" stemmen sich seit einiger Zeit kommunale Entsorgungsbetriebe gegen die Wegwerfflut. Sie tun sich zusammen mit Tausch- und Verschenkmärkten. In Hessen findet man bereits mehrere Regionen, wo man sogar nach kostenlosen Dingen suchen kann: www.ressourcenretter.de/hessen <-KLICK.

Dachbodenfunde abzugeben (c) HESSENMAGAZIN.de
Dachbodenfunde abzugeben (c) HESSENMAGAZIN.de

Die Herausforderung an der Sache ist indessen, dort etwas für sich Passendes aus dem ganzen Sammelsurium aufzustöbern ;-(

Weiterreichen an Leute, die es brauchen können

Eine Weiterverwendungschance bekommt unser gutes Gebrauchtes als Spende für karitative Einrichtungen und Sozialkaufhäuser. Doch diese nehmen leider nicht immer alles. Oft sogar nur Bekleidung passend zu Saison, da ihre Lagerkapazitäten beschränkt sind. Oder weil sie die Sachen nicht als verkäuflich bzw. verwendbar ansehen.

Eine erste Spenden-Liste: region-offenbach.verschenkmarkt.info/01/offenbach-spenden-statt-wegwerfen-p403 <-KLICK

Das auch noch

Weggelassen haben wir bei unserer Auswahl alle kleinen Lädchen ohne Internetpräsenz, die teuren Bekleidungsboutiquen, die Markenmode in Kommision nehmen, professionell aufgezogene große Kleiderbasare und die unzähligen "Kinder Secondhand-Läden", die natürlich nur Kinder-Bekleidung verkaufen :-)

Stiefel und Schuhe (c) HESSENMAGAZIN.de . Muetzen und Handschuhe (c) HESSENMAGAZIN.de
Beispiele für den Second Hand Markt: Schuhe - Stiefel - Mützen - Handschuhe sowie vieles andere mehr ... (c) HESSENMAGAZIN.de

Mehr zum Thema gibt es bei Gelegenheit, z. B. wie man seine noch guten Klamotten und Schuhe elegant loswird. (Bitte NICHT im Kleidercontainer am Straßenrand!)

Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de

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