Landlust: Auf Schusters Rappen

Samstag, den 14. Juli 2018 um 06:30 Uhr VB - Der Vogelsberg ist Kult
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Wanderer können immer wieder unterwegs chillen auf bequemen Relaxliegen am Wegesrand (c) GTS Schotten
Wanderer können immer wieder unterwegs chillen auf bequemen Relaxliegen am Wegesrand (c) GTS Schotten

Zwei Extratouren bei Schotten im Vogelsberg

[Mittelgebirge Vogelsberg] Kürzlich habe ich mich überreden lassen, im Vogelsberg wandern zu gehen. Eigentlich war ich der Meinung, das wäre nur etwas für alte Leute. Doch ich habe mich eines Besseren belehren lassen und kann nun meine „Wiederentdeckung der Langsamkeit“ voller Überzeugung und ehrlich begeistert jedem zum Nachmachen empfehlen!

Während das Trekking im Hochgebirge eine recht beschwerliche Angelegenheit ist, bleibt das Wandern im Mittelgebirge immer sehr entspannt, versprach meine Freundin. Sie wollte mit ihrem Bruder Andreas und ihrer Schwägerin von Donnerstag bis Sonntag zum Wandern fahren und ich sollte mitkommen. „Nach dem gemütlichen Frühstück in einem Landgasthof zieht man los“, weihten Andreas und Ute mich ein. „Praktisch gekleidet und mit ein wenig Proviant plus eine Flasche Wasser im leichten Rucksack geht es auf Tour.“

Die beiden waren schon oft unterwegs auf Hessens stillem Vulkan und echte Fans der Gegend. Da wir allesamt nur drei Tage Zeit hatten, sollten diesmal zwei Halbtagestouren gewandert werden. Das überzeugte mich als den einzigen Beginner in der Gruppe. Zudem kam mir die Aussicht auf einen Biergarten als Endziel sehr verlockend vor.

Wir planten, von den zertifizierten "Extratouren" im Vogelsberg die 14 km lange Eschenrod StauseeTour und die fast ebenso lange Gipfeltour unter unsere Wanderschuhe zu nehmen. Beide sind als Rundwanderungen konzipiert und gelten als Premiumwege, weil sie neben guten Markierungen eine Menge schöner Erlebnispunkte bieten und dort hauptsächlich auf naturbelassenen Pfaden gewandert wird.

Gegen Abend an unserem Anreisetag begaben wir uns zwecks „Einstimmung“ auf Schottens Hausberg, den 764 Meter hohen Hoherodskopf. Er bietet einen faszinierenden Weitblick, bei klarem Wetter kann man bis zum Taunus und nach Frankfurt am Main schauen. Auf dem gemütlichen Spaziergang über das Plateau des Erlebnisberges nahmen wir uns vor wiederzukommen, um Adventure-Golf zu spielen und u. a. die Ausstellung im Naturschutz-Infozentrum zu erkunden.

Am Freitag starteten wir mit der Stausee-Tour am Sportplatz in Schotten-Eschenrod, wo wir das Auto auf dem Parkplatz in der Schottener Straße abstellten. Anschließend folgten wir eine Stunde lang dem Wanderzeichen der Extratouren, einem stilisierten rot-grünen Vulkan auf weißem Grund. Es brachte uns aus dem Ort hinaus an Wiesen und Hecken vorbei bis zum „Schönen Stein“, einem erhöhten Aussichtspunkt mit einer Bank, von dem aus wir bis zum Hoherodskopf hinübersehen konnten.

Mit Weitblick on Tour unter dem hohen Himmel des Vogelsbergs (c) GTS Schotten
Mit Weitblick on Tour unter dem hohen Himmel des Vogelsbergs (c) GTS Schotten

Weiter ging es einen Hang hinab eine Viertelstunde durch den Wald bis zu den Mammutbäumen. Dort legten wir eine Pause ein und Andreas klärte uns über dieses erste, im Jahr 1900 gepflanzte Naturdenkmal auf. Nach der Rast wartete am tiefsten Punkt der Wanderung der Niddastausee auf uns. Anschließend führte uns der Weg durch den Wald unterhalb des „Saubergs“ zu einer atemberaubenden Basaltformation mit einer alten Ringwallanlage.

Das Geotop „Alteburgskopf“ mit seinen düsteren, hoch aufragenden Basaltwänden weckte mein Interesse für die spannende Vergangenheit, sprich: Erdgeschichte des Vogelsbergs. Ich verabredete mit meinen Mitwanderern für den nächsten Tag, das Vulkaneum in Schotten aufzusuchen. Weiter ging es nach dem Überqueren der Bundesstraße B 276 in einem leichten Bogen in den Wald hinauf zum Wildhauskopf und wieder zurück nach Eschenrod.

Der Samstag begann im Vulkaneum in Schottens Innenstadt, wo wir uns früh einfanden, um in der sehenswerten mehrstöckigen Ausstellung an mehreren interaktiven Stationen Interessantes über den Vulkanismus zu lernen. Da sich direkt neben dem Parkplatz eine Bushaltestelle des Vulkan-Express befindet, begaben wir uns nach dem Mittagessen von dort aus gleich zu unserer „Gipfeltour“.

Vier Leute auf den fünf höchsten Bergen des Vogelsbergs, so könnte man diese wunderbare Tour umschreiben, die auf dem Hoherodskopf anfängt. Als Hilfsmittel beim Zurechtfinden im Gelände dienten uns wie üblich eine Karte sowie der Track, den wir uns für unser GPS-Gerät von www.extratouren-vogelsberg.de heruntergeladen hatten. Dazu hatten wir uns zuvor die ausführliche Wegbescheibung online auf www.ich-geh-wandern.de/hessen-extratour-gipfeltour-schotten angesehen.

Für mich war das absolute Highlight der Tour die „Besteigung“ des 666 Meter hohen Bilsteins. Der Felsen ragt mitten im Wald bei Busenborn auf. Von dort wollte ich am liebsten gar nicht mehr fort. Doch unsere Zeit wurde knapp, denn an unserem letzten Abend hatten wir uns in unserem Landgasthaus zu einem leckeren hessischen Büfett angemeldet.

Mein Fazit: Dieser Ausflug in das vulkanische Mittelgebirge Vogelsberg, bei dem Landschaftseindrücke im Vordergrund standen, wirkten Sonne, Wasser, das grüne Gras und die Bäume auf mich fast sinnlich präsent und damit herrlich entspannend... Keine Frage: Ich komme wieder!

Weitere Informationen: www.tourist-schotten.de

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