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Neue UNESCO-Geoparks machen Millionen Jahre Erdgeschichte erlebbar

Das Neckartal im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald (c) HESSENMAGAZIN.de[Hessen - Welt] Der UNESCO-Exekutivrat hat am 5. Mai 2017 in Paris acht neue UNESCO-Geoparks ausgezeichnet. Dazu gehören der französische Geopark Causses du Quercy mit seiner Millionen Jahre alten Karstlandschaft, Irans Insel Qeshm mit der längsten Salzgrotte der Welt oder der Geopark Mixteca Alta mit einer einzigartigen geologischen Vielfalt. Erstmals werden Geoparks aus Mexiko und dem Iran in das weltweite Netzwerk aufgenommen. Insgesamt gibt es jetzt 127 UNESCO-Geoparks weltweit, sechs davon in Deutschland.

Die neuen UNESCO-Geoparks

China: Arxan – Land der Wälder, Jäger und Nomaden

Mit 35 quartären Vulkanen kann der Geopark Arxan in der Inneren Mongolei eine der größten Vulkanlandschaften Chinas vorweisen. Ablagerungen aus basaltischer Lava, die an die Struktur eines Schildkrötenpanzers erinnern, kennzeichnen den Geopark genauso wie die durch Vulkanausbrüche verursachten zahlreichen heißen Quellen und Kraterseen. Vulkanische Aktivitäten haben nährstoffreiche Böden hinterlassen, so dass noch heute rund 65 Prozent der Fläche des Arxan Geoparks mit Wald bedeckt sind. „Waldvolk“ wurden die Bewohner der Arxan Region einst genannt, die zahlreiche Generationen als Jäger und Nomaden die Wälder besiedelt haben. Noch heute stellt die Forstwirtschaft das wichtigste wirtschaftliche Standbein der Region dar – durch die Aktivitäten des Geoparks eröffnen sich jedoch weitere Beschäftigungsfelder, beispielsweise im Tourismus, im Kulturbereich sowie in der Forschung.

China: Keketuohai – Granitfelsen und biologische Viefalt

Mitten im chinesischen Altai-Gebirge im Grenzgebiet zu Kasachstan, Russland und zur Mongolei liegt der Keketuohai Geopark. Der Keketuohai Geopark zeichnet sich durch große Granitfelsen und durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus. Von alpiner Vegetation über Sumpfgebiete und üppig wachsende Wälder bis hin zu weiten Grassteppen ist in dem Gebirge alles zu finden. Auch kulturell hat der Geopark einiges zu bieten: Felsmalereien, Gräber und Statuen sowie noch heute lebendige Traditionen, wie Gesänge und Pferdereiten, zeugen von der kasachisch geprägten Kultur der lokalen Bevölkerung. Der Keketuohai Geopark hat es sich zum Ziel gesetzt, die geologische Entwicklungsgeschichte der Altai-Gebirgsketten zu erforschen und Besuchern zu eröffnen.

Frankreich: Causses du Quercy – Wenn Steine sprechen könnten…

Der Geopark Causses du Quercy liegt auf den großflächigen Kalk-Hochebenen, den „Causses“, im Norden der französischen Region Okzitanien. Kalkstein ist hier omnipräsent: Hinkelsteine, die Landschaft durchziehende Trockensteinmauern sowie Hütten aus Trockenstein sind nur einige Beispiele für die enge Verbindung zwischen Mensch und Stein. Gleichzeitig zeugen sie vom besonderen geologischen Erbe der Causses, der Karstlandschaft, deren Entstehung vor über 70 Millionen Jahren begann. Heute macht sie einzigartige geologische Ereignisse sichtbar: Fossilien, Sedimentschichten, Spuren der Wellen und Gezeiten, Phosphatminen, Grotten und unterirdische Flüsse werden den Besuchern des Geoparks an 48 zugänglichen Geotopen nähergebracht.

Iran: Qeshm Island – Land der Erosion

Qeshm ist nicht nur die größte Insel in der Straße von Hormus im Persischen Golf, sondern verfügt auch über die mit einer Länge von 6.600 Metern längste Salzgrotte der Welt. Neben den Salzformationen prägen den Geopark auch die Sedimentgesteine, die durch Auswaschungen beeindruckende Formen angenommen haben. Obwohl die Landschaft teils an eine Mondlandschaft erinnert, ist die Tierwelt vielfältig – zahlreiche Vogelarten, Reptilien, Delphine und Schildkröten sind hier zu Hause. Der Geopark Qeshm Island arbeitet eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen. Verschiedene Bildungsangebote und Strategien für einen nachhaltigen Geotourismus zum Schutz der Geotope zeichnen die Geoparkarbeit aus.

Mexiko: Comarca Minera – Das Vermächtnis der Minenarbeiter

Der Geopark Comarca Minera liegt auf 1.300 bis 3.200 Metern über dem Meeresspiegel mitten in Mexiko im Bundesstaat Hidalgo und wird von den Vulkanzügen Pachuca und Las Navajas gekreuzt. Die Höhenzone sowie die physiographische Besonderheit des Geoparks sind für die abwechslungsreiche Landschaft verantwortlich – hier finden sich sowohl tannen- und kiefernbedeckte Bergzüge als auch kakteenreiche Strauchlandschaften. Auch die geologische Vielfalt ist außergewöhnlich. Der Geopark umfasst zwei geologische Zonen, den transmexikanischen Vulkangürtel und den Sierra Madre Oriental Gebirgszug. Die hier entdeckten umfangreichen Gold- und Silbervorkommen verhalfen dem Bergbau zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert zu einer Blütezeit. Noch heute prägt die Bergbaugeschichte die Region, was sich nicht nur in der vom Abbau gezeichneten Landschaft zeigt, sondern auch im industriellen Erbe.

Mexiko: Mixteca Alta – Kultur und geologisches Erbe

Die Region des Geoparks Mixteca Alta – gelegen im Bundesstaat Oaxaca auf dem Gebirgszug Sierra Madre del Sur – ist aus geologischer Sicht eine der komplexesten Regionen Mexikos. Von über 500 Millionen alten präkambrischen Gesteinen über 60 bis 250 Millionen Jahre alte mesozoische Sedimentgesteine bis hin zu Vulkangesteinen aus der Erdneuzeit bietet der Geopark einen Einblick in die Erdgeschichte. Die Region ist auch geprägt durch die Geschichte der Mixteca-Zivilisation, die sich zwischen dem zweiten Jahrhundert v. Chr. und dem 15. Jahrhundertn. Chr. in der Region des Geoparks entwickelt hat und im 16. Jahrhundert n. Chr. mit Ankunft der spanischen Konquistadoren ihren Niedergang fand. Zeugnisse ihrer Kultur sind noch heute im Geopark zu finden.

Südkorea: Cheongsong – Ein grüner Schatz

Umgeben von Gebirgszügen, liegt der Cheongsong Geopark – koreanisch für „Grüner Schatz“ – im Kyongsang Becken, dem größten Sedimentbecken Südkoreas. Dort stößt der Besucher auf ganz besondere Lavagesteine, die sogenannten Rhyolith-Sphärolithe. Das Vulkangestein Rhyolith weist einen höheren Siliziumgehalt auf als anderes Eruptivgesteine. Aufgrund dieser mineralogischen Zusammensetzung entstehen beim Abkühlprozess der Lava ganz besondere Gesteinsformen, von der lokalen Bevölkerung auch „Blumensteine“ genannt. Der Geopark Cheongsong treibt den lokalen Geotourismus voran und entwickelt in Kooperation mit Lehrerinnen und Lehrern Bildungskonzepte. So trägt er neben der Wahrung des geologischen Erbes auch zur regionalen Entwicklung einer bislang fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägten Region bei.

Spanien: Las Loras – Hochgelegene Moorlandschaften und Festungen

Kalksteinfelsen und hochgelegene Moorlandschaften, durchzogen von Felsschluchten und tiefen Tälern – mit dieser ganz eigenen Landschaft präsentiert sich der spanische Las Loras Geopark dem Besucher. Im Norden der Autonomen Provinz Kastilien und León liegt der Geopark zwischen der kastilischen Hochebene und dem Kantabrischen Gebirge. Bekannt ist er unter anderem für bedeutsame paläontologische Funde wie etwa den Skelettresten des Camptosaurus. Bezeichnend für den Geopark sind auch die Festungen, die bis heute vom kulturellen Erbe der nur noch dünn besiedelten Region zeugen.

UNESCO-Fotogalerie zu den neuen Geoparks: HIER <-KLICK

Hintergrund

UNESCO-Geoparks <-KLICK sind Regionen, die Erdgeschichte besonders anschaulich zeigen, bedeutende Fossilfundstellen oder Gesteinsformationen vorweisen. Durch Bildung, Schutz und Förderung einer nachhaltigen Entwicklung machen sie das Erbe ihrer Landschaft erlebbar, für Bewohner wie für Besucher. Sie schaffen Identifikation mit der Region, fördern Tourismus und machen Herausforderungen des globalen Wandels in der Region zum Thema.

Derzeit gibt es 127 UNESCO-Geoparks in 35 Ländern, sechs davon in Deutschland: Bergstraße-Odenwald, TERRA.vita, Schwäbische Alb, Vulkaneifel, Harz–Braunschweiger Land–Ostfalen sowie der deutsch-polnische Geopark Muskauer Faltenbogen.

Quelle Text: Deutsche UNESCO-Kommission

 

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